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„Jugendliche trauern anders“

DRK-Kreisverband bietet Trauergruppe für 13- bis 18-Jährige / Treff alle 14 Tage / Ehrenamtliche helfen.

Die Ehrenamtlichen der DRK-Jugendtrauerberatung: (hinten v.l.) Diana Röhrich, Dunja Hölscher, Jan Schniggendiller, Marita Hölker sowie (vorne v.l.) Jana Thimm und Ulrike Reiberg. Foto: az

Coesfeld

Wenn ein Mensch, der einem nahe steht, stirbt, wirft das viele zunächst aus der Bahn. Wut, Einsamkeit, Leere aber vor allem Trauer sind dann vorherrschende Gefühle. „Jugendliche trauern anders“, sagt Dunja Hölscher vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverband Coesfeld.

Deshalb hat sich der Verein dazu entschlossen, eine Jugendtrauergruppe ins Leben zu rufen. „Zunächst haben wir alle anderen Anlaufstellen kontaktiert, damit uns keiner als Konkurrenz ansieht.“ Vielmehr soll die DRK-Trauergruppe eine Ergänzung zum bestehenden Angebot sein. Deshalb sind Kinderärzte, Hospize und Psychologen frühzeitig mit ins Boot geholt worden.

„Hospize bieten oftmals nur Trauerhilfe für Angehörige. Wir wollen auch denen helfen, die einen Freund verloren haben oder bei denen der Verlust vielleicht auch schon Jahre zurückliegt“, erklärt Hölscher die Besonderheit der Jugendtrauergruppe. Es sei keine Therapie, sondern ein Mitgehen, Begleiten und Unterstützen der Jugendlichen.

Sechs Ehrenamtliche sind Teil des Teams und begleiten die trauernden Jugendlichen. Alle sind geschult, haben einen Bezug zum Thema und auch schon eigene Verlusterfahrungen gemacht. „Jugendliche befinden sich in der Pubertät sowieso schon in einer schwierigen Phase. Kommt dann noch ein Trauerfall hinzu, kann das viele überfordern.“ Die Teenager würden sich dann oftmals zurückziehen, nicht sprechen oder auch aggressiv reagieren. Wichtig seien dann die sogenannten „Peergroups“ – also Cliquen aus gleichaltrigen Jugendlichen. „Dort können sie sich austauschen, aber nach einer gewissen Zeit ebbt das Verständnis dort ab“, sagt Hölscher. In der Jugendtrauergruppe sei das anders, da alle wissen, wie es einem selbst geht. Hier könnten die jungen Menschen Mut fassen, Kraft tanken, Gleichgesinnte kennenlernen und sich mit ihnen austauschen.

Die Trauergruppe trifft sich an zehn Abenden, donnerstags von 18 bis 19.30 Uhr im DRK-Heim in Dülmen . Nach einem ersten Kennenlernabend folgen Abende, in denen über den Verstorbenen geredet wird, und Treffen, in denen Gefühle mithilfe von Aktionen verarbeitet werden.

„Wir haben beispielsweise Schaumstoff-Schläger mit denen die Jugendlichen ihrer Wut einmal Luft machen können.“ Später werde auch eine Erinnerungskiste gebastelt, in der Fotos oder Dinge des Verstorbenen verwahrt werden können.

Bevor die Gruppe zusammentrifft, gibt es mit jedem Jugendlichen ein Erstgespräch. Dabei sollen im Vorfeld bereits Fragen geklärt und genaue Informationen vermittelt werden.

Derzeit gibt es noch keine aktive bestehende DRK-Jugendtrauergruppe. Wer die Hilfe der Ehrenamtlichen in Anspruch nehmen möchte, kann sich beim DRK-Kreisverband melden. Ansprechpartner ist Dunja Hölscher, Bahnhofstraße 128 in Coesfeld , Tel. 0170/2832425.

Von Steven Micksch

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 05.01.2017

8. Januar 2017 15:36 Uhr. Alter: 1 Jahre