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Abstand halten und rechts ran

Wenn Einsatzfahrzeuge auftauchen.

Einer der neuralgischen Punkte in Lüdinghausen: Am Kreisverkehr auf der Seppenrader Straße kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen, weil Autofahrer trotz eines Rückstaus in den Kreisel einfahren. Foto: Anne Eckrodt

Lüdinghausen

Wenn im Rückspiegel ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht auftaucht, steigt unweigerlich der Adrenalinspiegel eines jeden Verkehrsteilnehmers. Aber wie verhält man sich in solchen Situationen richtig? Die Westfälischen Nachrichten haben bei Fachleuten nachgehakt.

Die Situation kennt jeder Autofahrer: Im Rückspiegel taucht ein Polizei-, Feuerwehr- oder Rettungswagen mit eingeschaltetem Blaulicht oder auch Martinshorn auf. Wie verhalten sich Autofahrer im Stadtverkehr – gerade auch an neuralgischen Punkten wie Kreisverkehren – richtig, damit die Einsatzkräfte keine wertvolle Zeit verlieren? Mit dieser Frage wandte sich WN-Leserin Agnes Kuse jetzt an die Lokalredaktion. Und die hat nachgehakt.

Leiter der Polizeiwache Lüdinghausen, verweist dazu auf die Straßenverkehrsordnung. „Jeder hat die Pflicht, umsichtig zu fahren. Das heißt, nicht zu dicht auf den Vordermann auffahren, so dass man noch rangieren und Platz für Einsatzfahrzeuge machen kann. Abstand halten gilt auch im ruhenden Verkehr“, so Frieling. Wer sich entsprechend dem Rechtsfahrgebot in brenzligen Situationen am rechten Straßenrand orientiert und dorthin ausweicht, stellt in den Augen des Polizeibeamten das geringste Hindernis für die Rettungskräfte dar.

Dass das in der Realität oftmals anders aussieht, beobachten Frieling und seine Kollegen immer wieder, vor allem am Kreisverkehr auf der Seppenrader Straße, von dem die Hans-Böck­ler- und die Julius-Maggi-Straße abzweigen. „Dort ist das Fehlverhalten mitunter eklatant“, weiß der Leiter der Polizeiwache. „Wenn man den Hügel aus Richtung Seppenrade runterkommt, kann man sehen, ob die Schranken am Bahnübergang geschlossen sind. Aber auch, wenn das der Fall ist, fahren die Leute in den Kreisverkehr rein – mit der Folge, dass sich alles staut. Da kommt dann kein Rettungsfahrzeug mehr durch“, kritisiert Frieling. Und er fügt hinzu: „Gerade an dem Kreisverkehr haben die Kollegen schon einige Autofahrer ermahnen müssen.“

Auch Michael Hofmann, Leiter des DRK-Rettungsdienstes im Kreis Coesfeld, weiß von brenzligen Situationen, die seine Kollegen in Lüdinghausen immer wieder erleben, zu berichten. „Auf keinen Fall sollten Verkehrsteilnehmer reflexartig abbremsen, wenn sich ein Einsatzfahrzeug nähert. Dann besteht die Gefahr, dass der Wagen auffährt oder ausweichen muss, was wiederum für oftmals schwer verletzte Patienten hinten im Fahrzeug gefährlich werden kann“, erläutert Hofmann. Er empfiehlt daher, nach Ausweichmöglichkeiten am rechten Straßenrand zu suchen. „Das gilt übrigens auch, wenn ein Einsatzfahrzeug von vorne kommt. So können die Kollegen eventuellen Hindernissen auf der eigenen Spur besser ausweichen“, betont Hofmann.

Mit einer noch größeren Kategorie von Fahrzeugen ist die Feuerwehr unterwegs. „Wir müssen bei Einsatzfahrten immer für zwei denken“, macht Wehrführer Günter Weide die Problematik deutlich. Gerade in Kreisverkehren beziehungsweise an den oftmals langgestreckten Mitteleinseln davor werde es für die Feuerwehrautos oftmals eng – „vor allem im Berufsverkehr“, weiß Weide. Doch das sind nicht die einzigen neuralgischen Punkte. „In den Baugebieten sind oftmals keine Parkmöglichkeiten eingezeichnet. Jeder meint aber, sein Auto vor dem eigenen Grundstück abstellen zu müssen. Das behindert uns bei unserer Arbeit immer wieder“, ärgert sich Weide.

Von Anne Eckrodt

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 31.01.2017

1. Februar 2017 11:19 Uhr. Alter: 2 Jahre