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Im Notfall kennt jeder seine Aufgabe

Massenanfall von Verletzten (ManV).

Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Coesfeld Foto: Kristian van Bentem

Lüdinghausen

Für Situationen, bei denen (voraussichtlich) viele Menschen notfallmedizinisch versorgt werden müssen, gibt es detaillierte Einsatzpläne. Im Kreis Coesfeld spielt dabei auch das Deutsche Rote Kreuz eine wichtige Rolle – auch bei möglichen Extremfällen, die Kreisverbandsvorstand Christoph Schlütermann nie erleben möchte.

ManV: Das hat zwar nichts mit Futtern zu tun, steht aber für etwas, an dem Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste wie beispielsweise das DRK durchaus zu knabbern haben. ManV – das ist im Rettungsgesetz NRW die Abkürzung für „Massenanfall von Verletzten“ und bezeichnet eine Situation wie beispielsweise beim Großalarm an der Gesamtschule Nordkirchen, bei dem in der vergangenen Woche auch Dutzende DRK-Kräfte aus Lüdinghausen rund fünf Stunden involviert waren.

„Das war schon eine große Lage“, berichtet Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Coesfeld. Ausgelöst wurde der Alarm, weil ein Gasunfall mit ungeklärter Ursache gemeldet wurde. 40 Achtklässler und zwei Lehrer klagten über plötzlich auftretenden Hustenreiz und Atembeschwerden. „Da ist alles raus, was in dem Moment fahren konnte“, berichtet Schlütermann. Will heißen: 24 Notfallsanitäter des DRK und 23 ehrenamtliche Rettungshelfer aus dem DRK-Ortsverband Lüdinghausen mit zwölf Fahrzeugen des Regeldienstes sowie sechs Rettungswagen (RTW) der ehrenamtlichen Reserve.

Leitstelle des Kreises ruft ManV-Lagen aus

Ausgerufen werden ManV-Lagen durch die Leitstelle des Kreises. „Es muss eine besondere rettungsdienstliche Lage vorliegen, was bei mehreren einzusetzenden RTW der Fall sein kann“, so Schlütermann. Bis ins Detail geregelte Pläne können dann „aus der Schublade gezogen“ werden. Sie beschreiben detailliert, wer, wann was im ManV-Fall zu tun hat.

„Das ist von der Leitung bis zum einfachen Helfer fast militärisch organisiert“, sagt Schlütermann. Der DRK-Kreisverband Coesfeld mit hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften des Regelrettungsdienstes und des Katastrophenschutzes in den drei Einsatzgruppen Nord, Mitte (darunter Senden) und Süd (darunter Lüdinghausen und Ascheberg) ist dabei neben Polizei und Feuerwehr die dritte wichtige Säule bei ManV-Lagen. „Per Knopfdruck können wir im Kreis bis zu 300 Personen in verschiedenen Funktionen und Einsatzeinheiten mit über 50 Fahrzeugen aktivieren.“ Federführend für die medizinische Rettung sind der Organisatorische Einsatzleiter (OrgEL) und der Leitende Notarzt (LNA).

Wichtig ist, dass Hand in Hand gearbeitet wird, ein Rädchen ins andere greift. Vor Ort geht es vor allem darum, sich einen Überblick zu verschaffen, die ambulante notfallmedizinische Versorgung und gegebenenfalls den Transport ins Krankenhaus zu gewährleisten. Die Menschen müssen zudem registriert („Es darf niemand verloren gehen“), auch Nichtverletzte und Einsatzkräfte mit Essen, Getränken oder Decken versorgt werden. „Manche Menschen muss man nur beruhigen“, weiß Schlütermann. Wichtig in Nordkirchen: „Minderjährige können, auch wenn sie nicht verletzt sind, nicht einfach nach Hause geschickt werden, sondern müssen von den Eltern abgeholt werden. Dafür haben wir eine Anlaufstelle eingerichtet. Wenn das nicht organisiert ist, herrscht Chaos.“

Auch für Terroranschläge gewappnet

Mit verschiedenen Manv-Lagen sehen sich die DRK-Kräfte immer wieder konfrontiert. Etwa beim nächtlichen Großbrand am Margeritenweg im vergangenen Jahr, als viele Bewohner evakuiert und im DRK-Heim untergebracht werden mussten, weil sie in der Nacht nicht in ihre verrauchten Wohnungen zurück konnten. „Man kann ja die Leute, die nicht bei Verwandten oder im Hotel unterkommen, nicht im Schlafanzug im Dunkeln stehen lassen“, betont Schlütermann. Alle Notfallunterkünfte (in Lüdinghausen zum Beispiel die Dreifachhalle der Berufsschule) sind deshalb in den Katas­trophenfallplänen aufgeführt und wurden auch vor zwei Jahren bei der Evakuierung Hunderter Menschen in Coesfeld wegen einer Bombenentschärfung benötigt. Auch für extreme ManV-Lagen nach Terroranschlägen ist das DRK-gewappnet. „Aber wir hoffen, dass das hier nie passiert!“

Glimpflich ging der Großalarm in Nordkirchen aus. Die Ursache ist noch offen, doch die Beschwerden blieben ohne Folgen. Ist man da nicht genervt, wenn ein Großaufgebot angerückt ist? Schlütermann: „Nein! Wir waren froh, dass alles gut funktioniert hat. Besser so, und es erweist sich am Ende als harmlos, als umgekehrt.“

Von Kristian van Bentem

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 31.03.2017

2. April 2017 11:16 Uhr. Alter: 251 Tage