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Flucht und Migration im Kita-Alltag

11. Erzieherinnentag.

Das Vorbereitungsteam des Erzieherinnentages freut sich schon auf die Veranstaltung am 24. Oktober (sitzend v.l.): Michaela Degenkolbe, Anja Wesselmann, Anna Kiwitt und (stehend) Michaela Dauke. Foto: Frank Vogel

Havixbeck

Bei der Integration von Flüchtlingen, Asylbewerbern und Menschen mit Migrationshintergrund kommt den Kindertagesstätten eine wichtige Funktion zu. Für die Erzieherinnen und Erzieher bedeutet dies aber auch neue Herausforderungen.

Flüchtlinge, Asylbewerber, Menschen mit Migrationshintergrund. Sie leben hier und sollen integriert werden. Auch und vor allem die Kinder. Einer der Orte, an denen das professionell begleitet geschehen kann, sind die Kindertagesstätten. Um gut mit dieser Herausforderung umzugehen, haben sich die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Havixbecker Einrichtungen für ihren inzwischen elften Erzieherinnentag das Thema „Kinder mit Migrationshintergrund/Flüchtlingskinder“ ausgesucht. „Dieses Thema lag auf der Hand“, erklärt das Vorbereitungsteam, das Michaela Degenkolbe, Anna Kiwitt, Anja Wesselmann und Michaela Dauke bilden. „Denn wir alle haben täglich damit zu tun.“

Die Sprache ist dabei das geringste Problem: Die Eltern sprechen oft Deutsch oder Englisch, es gibt Dolmetscher, Sprach-Apps, Landsleute, die sich gegenseitig helfen. Und die Kinder lernen die Sprache ohnehin „schneller als die Polizei erlaubt“, erleben die Erzieherinnen immer wieder. Schwieriger werde es bei den kleinen Dingen des Alltags: Wenn das Kind nicht zum Kindergarten gebracht werde, weil es regnet. Oder wenn der kleine Junge nicht gehorcht, wenn die Erzieherin etwas sagt.

Das lässt sich aus den Lebensumständen und den Kulturen der hier fremden Menschen erklären. Das muss man wissen: Wenn Menschen aus einem Land kommen, in dem es nur an einer Handvoll von Tagen regnet und das dann vielleicht heftig, ist es normal, an Regentagen zu Hause zu bleiben. Wenn man aus einer Kultur kommt, in der der Mann die unumstrittene Autorität in der Familie ist, dann tun sich Kinder schwer, einer Frau zu folgen.

Das kann im Kindergarten zum Problem werden. Es sei denn, die Erzieherinnen finden einen Weg, mit diesem Aufeinandertreffen der Kulturen zurechtzukommen. Und oft gehe das ganz einfach. „Die Kinder können sehr gut differenzieren: Hier gehorchen sie der Erzieherin, in der Familie bleibt es bei der eigenen Kultur“, weiß Michaela Dauke.

Schwieriger ist der Umgang mit traumatisierten Kindern. Anja Wesselmann erzählt vom Malen mit Fingerfarbe. Die Farbe wird den Kindern auf die Hände gepinselt, und mit ihren Abdrücken erstellen sie ein buntes Bild. Der Flüchtlingsjunge ist mit voller Begeisterung bei der Sache, doch als seine Hand rot bepinselt wird, fängt er an zu schreien und ist nicht mehr zu beruhigen. Die schrecklichen, vermutlich auch blutigen Erlebnisse der Flucht holen ihn ein, lassen ihn nicht mehr los. „Die Kollegin hat super reagiert“, erzählt Anja Wesselmann. „Sie hat die Hände einfach schnell blau angemalt. Da hat sich der Junge beruhigt.“

Um auf solche und ähnliche Fälle vorbereitet zu sein, soll der Erzieherinnentag eine Hilfe sein. Er findet am 24. Oktober (Montag) von 8 bis 13 Uhr im Torhaus am Kirchplatz statt. Nach der Begrüßung und einem Stehcafé werden ab 8.30 Uhr zwei Referentinnen vom DRK-Landesverband zum Thema des Tages vortragen und mit den Erzieherinnen und Erziehern ins Gespräch kommen. Die Ethnologin und Sozialarbeiterin Valérie Titz und die Erziehungswissenschaftlerin Mira Berlin sind beide gefragte Fachfrauen für Migration, Integration und interkulturelle Fragen.

Wie werden Kinder in ihren Herkunftsländern gesehen? Welchen Status haben sie dort? Welchen Einfluss hat das Geschlecht? Wo gibt es Konfliktpotenzial, wo können Missverständnisse auftreten? Wie geht man mit traumatisierten Kindern um? Diese und weitere Fragen, die sich die Erzieherinnen im Vorfeld aus ihrer täglichen Arbeit heraus gestellt haben, werden besprochen.

Ab 13 Uhr gehen die Teilnehmer dann in ihre jeweiligen Einrichtungen und vertiefen dort das Thema: Was können wir von dem Gehörten umsetzen? Und auf welche Weise können wir das tun?

 

Zum Thema

 

Wie üblich sind die Kindergärten und Kindertagesstätten wegen des Erzieherinnentages am 24. Oktober geschlossen. Eine Notbetreuung ist im DRK-Kindergarten eingerichtet. Bei Bedarf sollten sich Eltern an ihren jeweiligen Kindergarten wenden.

Von Frank Vogel

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 08.10.2016

10. Oktober 2016 17:16 Uhr. Alter: 2 Jahre