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3000 Euro für den Schleuser

DRK-Vorstand Christoph Schlütermann bei der Frauen Union.

Lüdinghausen

 

Eindringlich berichtete DRK-Kreisvorstand Christoph Schlütermann am Donnerstag bei der CDU-Frauen-Union über das Schicksal vieler Flüchtlinge, die das Rote Kreuz derzeit betreut.

Es sind die Einzelschicksale, die besonders berühren: Der 13-Jährige aus Kabul musste zusehen, wie sein Vater und sein Bruder von den Taliban erschossen wurden. Damit er selbst nicht verschleppt wurde, legte die Familie zusammen und brachte die 3000 Euro für den Schleuser auf, der dafür sorgte, dass dem Jungen die Flucht aus Afghanistan über den Iran, die Türkei und die Balkanroute schließlich nach Deutschland schaffte. Jetzt lebt er mit 15 anderen jugendlichen unbegleiteten Flüchtlingen im Josefshaus in Seppenrade. Eindringlich schilderte Christoph Schlütermann am Donnerstagabend im „Hotel zur Post“ vor der CDU-Frauen-Union an diesem Beispiel das Schicksal vieler – nicht nur – jugendlicher Asylbewerber.

Diese Menschen hätten eben nicht nur ihr Hab und Gut sowie ihre Heimat verloren, sondern oft auch Eltern, Kinder oder Geschwister, beschrieb er die Situation der oft traumatisierten Menschen vor allem aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan.

Zeitweise habe das DRK im Kreis Coesfeld 13 Einrichtungen für Flüchtlinge mit 1600 Plätzen betreut. Aktuell, so der DRK-Vorstand, befänden sich noch rund 700 Flüchtlinge in ihrer Obhut. Ende Juni würden allerdings die Aufnahmeeinrichtungen des Landes in Seppenrade, Nordkirchen und Nottuln geschlossen.

Eine besondere Herausforderung an die Verantwortlichen stelle die Betreuung der Jugendlichen im Josefshaus dar. Über 60 Jugendliche seien dort zeitweise gewesen, derzeit noch 16. „Und die können jetzt auch endlich eine Schule besuchen“, sagte Schlütermann. Nach der Pflicht – der Unterbringung – komme die Kür – die Integration. „Wir tun alles, dass sie bei uns eine Zukunft haben“, sagte Schlütermann.

Die Gesamtsituation der Flüchtlinge in Lüdinghausen beleuchtete der Beigeordnete Matthias Kortendieck. Zurzeit sind es rund 270. Kortendieck wie auch Schlütermann gehen allerdings davon aus, dass es künftig wieder mehr Zuweisungen von Flüchtlingen geben wird. Und: Ohne die vielen Ehrenamtlichen sei die Aufgabe nicht zu bewältigen, betonte der Beigeordnete.

Von Peter Werth

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 14.05.2016

15. Mai 2016 15:12 Uhr. Alter: 2 Jahre