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Viele Tränen zum Abschied

Notunterkunft in Seppenrade geschlossen.

Seppenrade

 

Sehr emotional mit vielen Tränen und Umarmungen verlief am Dienstag der Abschied der 52 Flüchtlinge aus der Notunterkunft in Seppenrade. Sie wurden per Bus nach Mönchengladbach gebracht, wo sie in einer weiteren Flüchtlingseinrichtung des Landes NRW untergebracht werden.

Tränen flossen dabei vor allem bei den ehrenamtlichen Helfern aus dem Rosendorf, die in den vergangenen Monaten regelmäßig die Einrichtung besucht hatten und sich vor allem mit den Kindern der Familien beschäftigt hatten. Tränen gab es aber auch bei den Flüchtlingen und bei den Betreuern des DRK sowie den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes.

„Wir sind uns in den vergangenen Monaten näher gekommen“, erklärte Thomas Sawicki, der die Einrichtung bis März geleitet hatte. Der Münsteraner ist eigentlich Steuerfahnder, wurde von der Bezirksregierung aber für diese Aufgabe ausgesucht. „Es war mir ein persönliches Anliegen, mich von diesen Menschen zu verabschieden“, sagte er sichtlich bedrückt und hielt sich auch mit Kritik nicht zurück. Die vergangenen Monate der Tatenlosigkeit seien für die Flüchtlinge verlorene Zeit.

Das bestätigte auch Abdul Jabbar. Der 29-jährige Syrer hat in seiner Heimat als Ingenieur gearbeitet – und würde dies auch gerne in Deutschland tun. „In diesen sechs Monaten ist nichts passiert“, resümierte er die vergangene Zeit. Es habe kein Interview beim Bundesamt für Migration gegeben, niemand habe bisher einen Asylantrag stellen und die Kinder hätten in keine Schule gehen können. „Verlorene Zeit“, so Jabbar. Traurig war auch sein Freund Rachad Almaslat. Der 23-jährige Syrer möchte sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen und Wirtschaft studieren. Aber nicht einmal einen Deutschkursus habe er besuchen können, bedauerte er.

Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ sehe sie die Abfahrt der Flüchtlinge, sagte Security-Mitarbeiterin Patricia Brömmelhus. Einerseits hätten auch das Wachpersonal die Menschen „ins Herz geschlossen“, andererseits gehe es jetzt für sie weiter, blickt sie für die Flüchtlinge optimistisch nach vorne.

Ihre Tränen verbergen mochten auch Uli Rietmann und Eva Richter nicht. Gemeinsam mit acht anderen Frauen hatten sich die Seppenraderinnen in den vergangenen Monaten um die Kinder der Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Afghanistan gekümmert, mit ihnen gespielt, vorgelesen und gebastelt.

Einrichtungsleiter Frank Kammert vom DRK indes versuchte seine Gefühlslage durch emsige Geschäftigkeit zu überdecken. Aber auch ihm fiel der Abschied von den Menschen merklich schwer. Ein ums andere Mal umarmte er die in den Bus einsteigenden Flüchtlinge. Offiziell wird die inzwischen leere Notunterkunft zum Monatsende aufgelöst.

Von Peter Werth

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 15.06.2016

17. Juni 2016 16:28 Uhr. Alter: 2 Jahre