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Betreuer kämpfen gegen Bürokratie

DRK-Vorstand Christoph Schlütermann informierte die Senioren-Union über Flüchtlings-Betreuung.

Lüdinghausen

 

„Es ist schon etwas anderes, wenn man jeden Tag mit den Flüchtlingen zu tun hat, als wenn man nur die Fernsehbilder sieht.“ Christoph Schlütermann, der diese Einschätzung gab, hat jeden Tag mit den Flüchtlingen zu tun. Er kennt die Probleme der Betreuer, aber auch die Schicksale der „Gestrandeten“ aus erster Hand. Als Vorstand des DRK-Kreisverbandes Coesfeld, der sämtliche Flüchtlingsunterkünfte betreut, kann er sich ein umfassendes Bild von der Situation aller Beteiligten machen. Gestern berichtete er auf Einladung der Senioren-Union über seine Erfahrungen.

Auch wenn Schlütermann in der Vergangenheit politisch aktiv war, so erläuterte er gestern das Flüchtlings-Thema in erster Linie aus Sicht des DRK als nichtstaatlicher Hilfsorganisation. Er beleuchtete auch mehr das humanitäre als das politische Dilemma.

„Ohne die ehrenamtlichen Kräfte wäre nichts gelaufen, als die erste große Flüchtlingswelle kam“, dankte der DRK-Manager den Akteuren von DRK, Feuerwehr oder THW. Aber schon bald habe man festgestellt, dass die Betreuung professionell organisiert werden musste. Mittlerweile koordiniert das DRK im Kreis Coesfeld Unterkünfte mit insgesamt 1600 Plätzen. 6000 Flüchtlinge wurden bisher betreut. Die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge bezeichnete Schlütermann „als größte humanitäre Leistung in der deutschen Nachkriegszeit“. Der DRK-Kreisverband Coesfeld gibt für die Flüchtlingsbetreuung Monat für Monat 1,5 Millionen Euro aus. „Ich will das Thema Kosten nicht schönreden. Aber unsere Gesellschaft muss sich dafür in keinster Weise einschränken“, betonte Schlütermann. „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie die Menschen vor unseren Augen absaufen“, appellierte er an die Humanität. Dass „denjenigen, die die Gastfreundschaft missbrauchen, die Tür gewiesen“ werden müsse, betonte der DRK-Fachmann allerdings auch.

Breiten Raum widmete Christoph Schlütermann der Unterbringung von jugendlichen Flüchtlingen im Seppenrader Josefshaus. Er klagte über eine enorme Bürokratie und forderte verstärkte Anstrengungen für eine bessere Integration der Menschen, die seines Erachtens im Kindergarten anfangen müsse. „Wir kämpfen jeden Tag gegen die Bürokratie“, berichtete Schlütermann aus der Praxis. Ein Beispiel: Viele Jugendliche kamen aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens unter Gefahren und Entbehrungen bis in den Kreis Coesfeld. Um sie aber von Coesfeld nach Seppenrade bringen zu dürften, sei die „Bescheinigung der Reisefähigkeit“ erforderlich . . .

Schlütermann sah das Flüchtlingsproblem nicht aus einer rosaroten Brille. „Es ist völlig egal, was jetzt passiert – das Thema wird uns über die nächsten Jahrzehnte hinaus beschäftigen. Aber wir werden die Probleme bewältigen“, versicherte der DRK-Manager.

Von Werner Storksberger

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 12.02.2016

14. Februar 2016 18:58 Uhr. Alter: 2 Jahre