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Rettungsdienst als Taxi missbraucht

Steigende Einsatzzahlen in Senden.

Als Dankeschön für den Weihnachtsdienst überreichten Rettungsdienstleiter Michael Hofmann (l.), Vize-Präsidentin Lisa Stremlau (2.v.l.), Präsident Konrad Püning (r.) und DRK-Vorstand Christoph Schlütermann (hinten r.) eine große Schale Hüftgold an Rettungssanitäterin Lynn Röttger und Rettungsassistent Matthias Fuchs. Foto: sff

Senden

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Einsätze der DRK-Rettungswache um etwa sieben Prozent auf rund 1300 gestiegen. Eine Ursache liegt darin, dass die Helfer gerufen werden, obwohl es sich um ganz normale Fälle für den ärztlichen Bereitschaftsdienst handelt.

Hüftgold als Dankeschön für die Helfer, aber auch ernste Themen brachten die Vertreter des DRK-Präsidiums zu Weihnachten mit nach Senden. Mit Schokoriegeln, Gummibärchen und Kaubonbons versüßten sie Rettungsassistent Matthias Fuchs und Rettungssanitäterin Lynn Röttger die Arbeit an Heiligabend sowie den nachfolgenden Kollegen die Feiertagsdienste.

Ein ernster Zungenschlag kam an der von Röttger und Fuchs liebevoll gedeckten Kaffeetafel auf, als die Entwicklung der Einsatzzahlen der Rettungswache Senden zur Sprache kam. Die sind in diesem Jahr gegenüber 2015 um sieben Prozent auf nunmehr rund 1300 gestiegen, berichtete Rettungsdienstleiter Michael Hofmann .

Für diese Entwicklung ist laut DRK-Kreisvorstand Christoph Schlütermann ein gesellschaftliches Phänomen mitverantwortlich: „Der Rettungsdienst ist für Notfallsituationen zuständig. Wir stellen jedoch fest, dass er immer häufig von Personen angefordert wird, die eigentlich nur zum Hausarzt müssten. Das ist ein bundesweiter Trend.“ Gerade an Wochenenden sei die Versuchung groß, weil es manchen Patienten zu langwierig erscheine, den Weg über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter ✆ 11 61 17 einzuschlagen.

„Wenn der Rettungsdienst über die Leitstelle angefordert wird, hat er die Pflicht zu kommen. Für die Rettungsassistenten ist das Risiko nein zu sagen zu groß. Das kann nur der Arzt übernehmen“, verdeutlicht Schlütermann den Gewissenskonflikt, in dem die Helfer stecken. Bei der Ankunft im Krankenhaus stelle sich immer wieder heraus, dass es sich um eher harmlose Fälle handele. Solche Fahrten blockieren den Rettungsdienst, wenn an anderer Stelle wirklich etwas Ernsthaftes passiert.

Das sei weitaus weniger im Straßenverkehr der Fall als im häuslichen Umfeld, berichtet Hofmann. Herzinfarkt, Schlaganfall, Stürze und ähnliche Unfälle seien in drei von vier Fällen Einsatzursache.

Aufgrund der räumlichen Lage kommt der Sendener Rettungswache eine besondere Bedeutung zu: „Senden ist zweiter Abmarsch, in Richtung Ascheberg und in Richtung Buldern. Außerdem ist es Wunsch vieler Sendener Patienten, nach Münster transportiert zu werden“, erläutert der Rettungsdienstleiter. Wegen der damit verbundenen langen Wege und Einsatzzeiten müsse überlegt werden, ob die Sendener Wache gegebenenfalls erweitert werden muss, so Hofmann.

Erfreulich sei vor diesem Hintergrund die gute Zusammenarbeit mit dem DRK Ortsverein. „Die Ehrenamtlichen helfen uns Spitzenzeiten, zum Beispiel über Silvester, abzudecken. Das klappt wirklich wunderbar. Und sie haben dieselbe Qualifikation wie unser hauptamtliches Personal“, heben Schlütermann und Hofmann ausdrücklich hervor.

Von Siegmar Syffus

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 26.12.2016

28. Dezember 2016 12:54 Uhr. Alter: 2 Jahre