Sie sind hier:  » 

Frühstücken und Fuß fassen

Flüchtlingshilfe und DRK-Kindergarten.

Spiel und Spaß steht für die kleinen Frühstücksgäste im Vordergrund. Während Erzieherin Lisa Große Brinkhaus, die sich hier ehrenamtlich engagiert, die Kinder immer zu beschäftigen weiß, tauschen sich die Mütter aus. Foto: Iris Bergmann

Nottuln

Flüchtlingshilfe und DRK-Kindergarten wissen: Integration funktioniert am besten über die Frauen der ausländischen Familien. Doch welches Angebot kann man diesen machen?

Einmal in der Woche verwandelt sich das Kaminzimmer der Alten Amtmannei in Nottuln in einen gemütlichen Frühstücksraum, aus dem Kinderlachen und Frauenstimmen schallen. Und die Stimmen klingen vielfach – noch – fremdartig, denn die Frauen kommen aus Syrien, Afghanistan, Nigeria, dem Irak oder auch aus Tschetschenien. Sie sind Flüchtlinge, die nun hier in Nottuln eine neue Heimat finden.

Das regelmäßige Frühstück wurde von der Flüchtlingshilfe Nottuln in Zusammenarbeit mit dem DRK-Kindergarten ins Leben gerufen und ist für Frauen mit ganz kleinen Kindern, die noch nicht den Kindergarten besuchen. Denn oftmals haben diese Frauen kaum Kontakt zur Außenwelt, haben wenige Möglichkeiten, Deutsch im Alltag sprechen zu lernen. Aber: „Die Integration der Familien läuft nur über die Frauen“, ist sich Marianne Barkam von der Flüchtlingshilfe sicher, und Erzieherin Birgit Delbeck kann ihr da nur zustimmen.

Anfangs war es gar nicht so einfach, die Frauen zu diesem regelmäßigen Treffen zu bekommen, denn bedingt durch ihren kulturellen Hintergrund musste in ihren Familien zunächst sichergestellt werden, dass wirklich nur Frauen am Frühstück teilnehmen. „Ein großer Pluspunkt war, dass das Frühstück hier in einem öffentlichen Gebäude stattfindet und nicht irgendwo versteckt“, so Agnes Schürkötter, Leiterin des DRK-Ortsverbandes, der Träger des Kindergartens ist.

Anfangs war die Scheu groß, aber je häufiger die Frauen zusammentreffen, umso lockerer werden sie und umso besser ist auch ihr Deutsch geworden. „Es ist schön zu sehen, wie sie regelrecht aufblühen“, freut sich Birgit Delbeck. Und: sich vieles von der Seele reden können, erzählen können, was sie bedrückt, was sie erlebt haben auf der Flucht. Da müssen die ehrenamtlichen Helferinnen so manches Mal schlucken.

Die sprachlichen Hürden zu Beginn sind manchmal eine echte Herausforderung, wissen die Organisatorinnen, denn die wenigsten der Frauen können Englisch sprechen, auf das man sonst ausweichen könnte. Aber auch hier finden sich inzwischen Möglichkeiten, wie Marianne Barkam zu berichten weiß: „Ab und an frage ich einfach eine Mutter, die schon länger hier ist und gut Deutsch spricht, die kommt dann mit zum Dolmetschen.“

Die kleinen Frühstücksgäste haben überhaupt kein sprachliches Problem, sie spielen einfach miteinander, ganz egal, aus welchem Land sie stammen. Und beim gemeinsamen Singen deutscher Kinderlieder haben sie mit ihren Müttern ohnehin genauso viel Spaß wie alle anderen Kinder.

Von Iris Bergmann

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 26.11.2016

4. Dezember 2016 13:09 Uhr. Alter: 2 Jahre