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„Lassen Sie uns gute Gastgeber sein“

Integration kaum ein Thema in der Notunterkunft in der Dorfbauerschaft.

Seppenrade

 

Seit Dienstag leben die ersten Flüchtlinge in der Notunterkunft in der Dorfbauerschaft. Die Seppenrader wollen den Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise helfen. Das wurde am Mittwochabend deutlich, als die Stadt zu einer Informationsveranstaltung eingeladen hatte (die WN berichteten). Aber: „Die Integration erfolgt hier noch nicht. Das ist erst ein Thema, wenn die Flüchtlinge in den Gemeinden untergebracht werden“, versicherte Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller am Mittwochabend. „Da wird noch einiges auf uns zukommen“, versicherte sie auch mit Blick auf die Schulen. Die Kinder, die sich derzeit in der Notunterkunft in der Dorfbauerschaft befinden, unterliegen noch nicht der Schulpflicht.

Nicht nur Dorothee Feller gab am Mittwochabend einen Einblick in die enorme Arbeitsbelastung der Behörden, die sich mit der Flüchtlingswelle beschäftigen. Auch DRK-Kreis-Vorstand Christoph Schlütermann ließ die Anwesenden am Stress des DRK teilhaben. Innerhalb weniger Wochen sei die Anzahl der Mitarbeiter von 530 auf 700 angestiegen. Der DRK-Kreisverband betreut derzeit sieben Notunterkünfte, eine davon in Haltern. Die in diesen Unterkünften lebenden Personen „sind Menschen in tiefster Not und keine Wirtschaftsflüchtlinge“, konterte er geflissentlichen Stammtischparolen. „Unsere Aufgabe ist es, diese Not zu lindern“, so der Seppenrader DRK-Manager. „Die Menschen werden ein Teil unseres Dorfes sein. Sie haben Schlimmstes erlebt und haben eine Chance verdient“, appellierte er an die Bürger. „Die ersten Tage in Deutschland werden die Menschen nie vergessen. Lassen Sie uns gute Gastgeber sein“, so Schlütermann.

Zurück zum „Sonderstatus“ der Notaufnahmestelle. „Planmäßig“ sollen die Menschen dort nur ein Quartier für geplante zwei Wochen finden. Nach der Registrierung steht dann die Zuweisung an eine Kommune bevor. Dann werde die Integration ein wichtiges Thema, so Dorothee Feller. In der Realität, so räumte die Regierungsvizepräsidentin ein, könnten aus den zwei aber auch sechs Wochen werden.

Woher kommen die Flüchtlinge? Der Anteil der Menschen, die aus dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Syrien oder dem Irak stammen, steigt deutlich an, berichtete Dorothee Feller. Der Anteil der Balkan-Flüchtlinge sinke. Das sei auch gut so, kommentierte die Regierungsvizepräsidentin diese Entwicklung. „Sie haben kaum eine Chance auf Asyl.“ Und das müsse man ihnen schon sagen, bevor sie in der Heimat ihre Zelte abbrechen.

Bei der Diskussion im Heimathaus wurde deutlich, dass sich die Bürger eine offene Willkommenskultur wünschen. Aber es gibt auch andere, rechte Stimmen. Darauf machte ein junger Mann mit seiner Frage an Bürgermeister Richard Borgmann aufmerksam. „Ich habe in Lüdinghausen noch keine rechten Stimmen gehört“, antworte dieser. Borgmann dankte allen, die sich in den vergangenen Tagen beruflich oder ehrenamtlich für die Flüchtlinge eingesetzt hatten und zollte ihnen Respekt. Er gab der Regierungsvizepräsidentin aber auch Worte der Kritik mit auf den Weg: „Es wird alles auf die Städte abgewälzt. Irgendwann ist die Leistungsfähigkeit erschöpft. Ich hoffe, dass das Land und der Bund das erkennen: Wir brauchen Hilfestellung.“

Von Werner Storksberger

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 25.09.2015

26. September 2015 18:46 Uhr. Alter: 3 Jahre