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Demokratie lernt in der Kita laufen

DRK-Einrichtungen setzen auf Beteiligung.

Kreis Coesfeld

 

Im DRK-Kindergarten in Buldern wird schon früh Demokratie gelebt. Die Kinder der Mäuse-, Tigerenten- und Bärengruppe haben je zwei Sprecher gewählt. Auch bei der Auswahl des Essens sind sie aktiv beteiligt, heften täglich Klammern an Bilder mit den Menü-Vorschlägen. Das geht nicht nur in Buldern so. In elf von 23 DRK-Kindertageseinrichtungen im Kreis Coesfeld wird nach dem Early Excellence-Konzept gearbeitet, das auch das frühe Einüben demokratischer Prinzipien beinhaltet. „Das Kind wird als eigenständige Person gesehen, die aktiv ist und selbst gestaltet“, erklärt Marlies Leifken, Fachberaterin der DRK-Einrichtungen den Hintergrund. So wird es auch positiv gesehen, dass die Vielfalt in den Kitas durch die zu uns kommenden Flüchtlinge demnächst noch größer wird. „Vielfältigkeit“, so Leifken, „ist keine Bürde, sondern eine Bereicherung.“ Kinder – egal welcher Entwicklung, Kultur oder Nationalität – lernten und lebten gemeinsam. Leifken: „Sie erweitern durch diese Vielfältigkeit ihren Horizont, werden tolerant und offen.“

In den DRK-Einrichtungen wird auf selbstständiges Lernen gesetzt. „Die Kinder sollen möglichst viel an Entscheidungen beteiligt werden“, erklärt Leifken. Das fängt bei der Gestaltung des Außengeländes an und hört bei der Essensauswahl noch lange nicht auf. „Wir sind überzeugt davon, dass nur so die Kinder ihren eigenen Weg machen können“, erklärt Leifken. Und auch nur so könnten sie Widerstandskräfte entwickeln, Nein sagen, sich bei Gefahr Hilfe holen. „Ein so gestärktes Kind ist vor Missbrauch besser geschützt als eines, das immer tut, was die Erwachsenen sagen“, nennt sie einen wichtigen Grund.

Die Beteiligung in der Praxis in der Kita umzusetzen, ist nicht immer einfach. Bei Early Excellence haben die Kinder die freie Wahl, wo und wie sie sich beschäftigen. „Eine kreative Raumgestaltung und Materialvielfalt, die immer wieder neu überdacht und auf die jeweilige Kindergruppe und deren Interessen abgestimmt wird, gibt den ausreichenden Rahmen für diese Entscheidungsfreiheit“, erklärt Leifken. Kinder sollen bewusst in die Lage versetzt werden, sich zu entscheiden, zu wählen, mitzubestimmen, um mündige Bürger zu werden. Und sie sollen auch lernen, sich zu beschweren. Zum Beispiel: „Ich habe mich heute geärgert, dass Moritz mich in den Haaren gezogen hat.“ Auch Abstimmungen sind bei Kindern nicht immer einfach durchzuführen: „Wenn der Freund die Hand hebt, hebe ich sie auch – das soll natürlich nicht sein.“ Da könne es dann sinnvoll sein, bei der Abstimmung hinter den Vorhang zu gehen.

Welche Formen der Beteiligung noch möglich sind, soll am 5. Oktober bei einer Fachtagung des DRK-Kreisverbandes in Lüdinghausen in Vorträgen vermittelt und in Workshops vertieft werden. Der Titel: „Abenteuer Lernen – Partizipation ermöglicht Selbstbildungsprozesse“. Die eintägige Veranstaltung wird ermöglicht durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung (Berlin), die aus ihrem Fonds für frühkindliche Bildung 3500 Euro beisteuert. Als Referenten konnten die bundesweit führenden Experten auf dem Gebiet, Franziska Schubert-Suffrian und Michael Regner, gewonnen werden.

270 Erzieher aus allen 23 DRK-Kindergärten im Kreis Coesfeld haben sich zum Fachtag angemeldet. Für Leifken ein Zeichen dafür, dass viel von dem Gedankengut von Early Excellence auch schon in den Einrichtungen verbreitet ist, die offiziell noch gar nicht danach arbeiten.

Von Detlef Scherle

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 18.09.2015

20. September 2015 18:33 Uhr. Alter: 3 Jahre