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Große Freude für Francesco

Andy Brecklinghaus bringt Spielsachen für Flüchtlingskinder am Leisweg / DRK organisiert Spendenfluss.

Coesfeld

 

Francesco ist mit seinen drei Monaten das jüngste der Kinder, denen ein kleines Stofftier ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Der kleine Junge wohnt zurzeit mit seinen Eltern und weiteren 80 Flüchtlingen in der Unterkunft am Leisweg. Die Kuscheltiere und weitere Spielsachen, darunter auch einen Tischkicker und drei Carrera-Bahnen, hat Andy Brecklinghaus aus Coesfeld gestern morgen in einer kompletten Bulli-Ladung mitgebracht.

Der Firmenkundenberater im Bereich Großkundengeschäft bei der Unternehmensgruppe Bleker hat in seiner Firma eine Rundmail gestartet und alle Mitarbeiter um Sachspenden gebeten. Zuvor allerdings hat er sich beim DRK-Kreisverband in Coesfeld erkundigt, welche Sachen auch wirklich benötigt werden. Brecklinghaus: „Ich bin auf die Idee gekommen, weil ich in der AZ einen Artikel gelesen habe, in dem über die Spende von Bobbycars durch den Stadtmarketing Verein berichtet worden ist.“

Groß ist die Freude bei den Flüchtlingskindern, als sie die Spielsachen erblicken. Der kleine Emrah ruft auf Albanisch: „Ich freue mich sehr.“

Vor drei Tagen hat Majlinda Hessefort ihren Dienst als neue Leitung der Flüchtlingsunterkunft angetreten. Gemeinsam mit zehn Mitarbeitern betreut sie die Bewohner rund um die Uhr in drei Schichten. Viele Flüchtlinge stammen aus Syrien, andere aus dem Libanon, aus Marokko, China oder Albanien. Drei Dolmetscher sind im Einsatz; diese sprechen Arabisch, Albanisch und Afghanisch.

Fast sieben Wochen wohnen die Flüchtlinge nun schon am Leisweg. Im Zuge des Asylverfahrens müssen sie in Bielefeld vorstellig werden, erläutert Martin Gewers vom DRK-Kreisverband, der die Betreuung übernommen hat.

Gestern hat sich erstmals eine Eltern-Kind-Spielgruppe getroffen – in einem neu eingerichteten Spielzimmer im Haus, wie Betreuerin Theresa Bischoff erzählt. Sie freut sich besonders darüber, dass die Kinder so wissbegierig seien und unbedingt schnell Deutsch lernen möchten. Manche Flüchtlinge seien traumatisiert. Einige würden von ihren schlimmen Erlebnissen in Kriegsgebieten berichten.

Die Männer in der Flüchtlingsunterkunft am Leisweg haben inzwischen den Innenhof hergerichtet. Dort haben sie auch einen Pavillon mit einem Tisch und Sitzbänken aufgestellt, der zu einem Treffpunkt geworden ist.

„Wir möchten die Bewohner auf gute Gedanken bringen und ihnen zeigen, dass sie willkommen sind“, betont Majlinda Hessefort. Manchmal sei es für die Betreuer belastend, von den Schicksalen der Menschen zu erfahren. Aber Theresa Bischoff sagt: „Es kommt so viel Herzlichkeit zurück, dass das andere schnell vergessen ist.“

Bernd Kasischke, Leiter des Fachbereichs Soziales und Wohnen der Stadt Coesfeld, spricht dem DRK-Kreisverband ein dickes Lob aus. „Das DRK ist für uns ein starker und kompetenter Partner.“ Inzwischen sei man schon in einer Luxussituation, da es auch so viele ehrenamtliche Helfer gebe. Es sei schön, dass die Willkommenskultur nun auch gelebt werde.

Wer etwas spenden möchte, wird gebeten, sich mit dem DRK-Kreisverband Coesfeld in Verbindung zu setzen. Dieser informiert dann darüber, was fehlt. Martin Gewers (DRK) hat bereits jetzt eine Bitte: „Wir wünschen uns für unsere Bewohner am Leisweg Reisekoffer, Brillen, Armbanduhren und eine Karaoke-Anlage. Dann könnten wir gemeinsam singen. Das lenkt auch ab.“

Von Manuela Reher

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 11.09.2015

12. September 2015 17:25 Uhr. Alter: 3 Jahre