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Ranets Torte hat fünf Kerzen

„Willkommen“ in der Notunterkunft / DRK auf Winter vorbereitet – Turnhalle gut beheizbar.

Coesfeld

 

Ranet ist eine Woche hier, und sie hat ein Bild mit einer Geburtstagstorte gemalt. Das Mädchen aus Syrien ist stolz auf das bunte Bild mit den Kerzen, das jetzt an der Wand in der Turnhalle im Schulzentrum hängt. Ranet lacht und strahlt, sie will unbedingt ein Foto. „Miss, Miss“, ruft sie, und zupft einem am Ärmel. Sie spricht kein Englisch, kein Deutsch, aber irgendwie klappt es mit der Kommunikation.

Das Wetter ist nicht gut, es regnet, es wird kalt. „Draußen kann man nicht viel machen, deswegen haben wir hier drinnen ein paar Beschäftigungsangebote eingerichtet“, sagt Verena Elfering, Leiterin der DRK-Notunterkunft für Flüchtlinge, zu der die Turnhalle umfunktioniert wurde. Die Malecke ist immer gut besucht. Fünf, sechs Kinder sitzen am Tisch, kneten gerade. Einer rollt mit Skatern durch die Halle, zwei spielen Tischtennis.

Es wird langsam Winter – aber die Turnhalle lässt sich trotzdem gut heizen. Ebenso wie die Räume am Leisweg in der zweiten Notunterkunft für Flüchtlinge in Coesfeld, versichert DRK-Vorstand Christoph Schlütermann. Und wenn es mit der Turnhalle bei extremen Minustemperaturen tatsächlich Probleme geben sollte, „könnten wir immer noch Heizstrahler einsetzen“. Ein bisschen Sorge macht ihm der hereinbrechende Winter eigentlich nur deswegen, weil dann mehr Menschen zusammen an einem Ort sind. „Es hat hier noch nie größere Probleme gegeben, das hat auch etwas mit Organisation zu tun“, sagt Schlütermann. „Wir achten zum Beispiel darauf, dass sich keine langen Schlangen bei der Essensausgabe bilden.“ Das verhindere von vorneherein Streitereien.

200 Plätze bietet das DRK in der Turnhalle, 130 am Leisweg. „Die Turnhalle ist zurzeit voll, am Leisweg haben wir 30, 40 Plätze frei“, sagt Schlütermann – Stand Donnerstag, 15. Oktober, 12 Uhr. Ein Bus mit Flüchtlingen kann jederzeit eintreffen. „Man weiß es nie so genau.“ Oft mitten in der Nacht, manchmal ruft der Busfahrer eine Stunde vorher an, manchmal nicht. Dann müssen die DRK-Helfer Ärzte für die ersten Untersuchungen der Flüchtlinge und Impfungen organisieren.

Vor der Turnhalle steht gerade eine Frau, die sagt, die Polizei aus Holland habe sie geschickt. Verena Elfering fragt einen der Übersetzer, ob er mit ihr reden kann. Die Frau ist hier wahrscheinlich nicht richtig.

Verena Elfering nimmt sich trotz all der Organisation immer Zeit für die Menschen. Für die Kinder. Sie hebt den fünfjährigen Jungen aus Syrien hoch, der gerade um sie herum läuft. „Hey, good boy.“ Eine Umarmung, ein Lachen, ein bisschen Freude, ein bisschen Zuneigung. Der Kleine freut sich und lacht und lacht.

Es wird kälter draußen. Hier. In Syrien ist es immer noch heiß, um die 30 Grad.

Das DRK hat vorgesorgt, „wir haben 500 Decken für den Winter gekauft“, sagt Schlütermann. Nur an warmer Winterkleidung fehle es langsam, das DRK sei dankbar für Spenden.

Ranet ist seit einer Woche in Coesfeld. Weg aus Syrien. Eine lange Flucht. Sie wirkt selbstbewusst und trägt eine Jeansjacke. „Die anderen Kinder sollen auch mit aufs Foto“, sagt sie.

Es gibt Engpässe bei Lieferanten. Bei den Betten, bei den Containern mit den sanitären Anlagen, bei Impfstoffen. Und das wird dann alles gerne zwei-, dreimal teurer“, sagt Schlütermann. 3000 Menschen im Monat müssen allein in den Notunterkünften des DRK im Kreis Coesfeld geimpft werden.

„Es ist hier noch nie zu Ausschreitungen gekommen“, sagt Schlütermann. Er sagt es nicht ohne Stolz. Und fragt: „Warum auch?“ Die Unterbringung der Flüchtlinge sei zwar eine riesige Herausforderung, aber es sei „alles machbar“. Schon gar nicht gebe es einen Grund, rechtsradikal zu werden, betont er. In Coesfeld erlebe er das auch nicht – die Hilfsbereitschaft sei nach wie vor sehr groß. Wenn auch Ehrenamtliche und Hauptamtliche an ihre Grenzen kommen und manchmal einfach nicht mehr können.

Die Frau vor der Tür muss weiterreisen. Sie hat keine Zuweisung. Ohne Zuweisung kann sie nicht bleiben. Sie soll weiter nach Dortmund fahren, sagt der Dolmetscher. Sie diskutieren noch.

„Miss. Miss!“ Ranets Freundin will auch ein Foto. Sie hat ein Mädchen gemalt, das mit einem Ball spielt. Die Wand ist voll mit Bildern, die die Kinder gemalt haben. Blumen, Obst, Fußballspieler, ein friedliches Dorf mit Wegen drumherum. Alles bunt, kein Krieg, keine Sprengsätze, keine Bomben, nichts kaputt, eine Welt ohne Terror. Ranet strahlt. Ihre Geburtstagstorte auf dem Bild hat fünf Kerzen.

- Wer Winterkleidung spenden will, kann sich an die DRK-Kleiderkammer wenden, Tel. 84 35 99, oder jede andere karitative Annahmestelle.

Von Viola ter Horst

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 15.10.2015

16. Oktober 2015 18:10 Uhr. Alter: 2 Jahre