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Helfer wurden von Flüchtlingsbussen überrascht.

Zeltstadt Vinnum.

Vinnum

 

Plötzlich wurde es unruhig bei den Verantwortlichen in der Zeltstadt in Vinnum. In der Nacht zu Mittwoch kamen zwei Busse mit 78 Flüchtlingen an der Notunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Hüning an. Unangekündigt. Das stellte die Verantwortlichen vor einige Probleme. Und auch bei den Flüchtlingen selbst war die Stimmung angespannt.

Sie seien „völlig überrascht“ worden, erzählt Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbands Coesfeld. „In der Regel gehört es sich, dass die Betreuungsverbände rechtzeitig vorbereitet werden.“ Dafür gebe es Transferlisten und Pläne, die die Asylkoordinierungsstelle bei der Bezirksregierung Arnsberg führe. Doch die zwei Busse kamen von der Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund zwischen 21 und 22 Uhr am Dienstagabend ohne Vorbereitung.

"Menschen waren stark verunsichert"

Hinzu kam, so Schlütermann, dass scheinbar auch den Flüchtlingen nicht klar war, wohin sie gebracht wurden. Deshalb hätten sich die Menschen im zweiten Bus geweigert, auszusteigen. „Die Menschen waren stark verunsichert“, schildert Schlütermann die Lage. Ihnen sei gesagt worden, sie würden in Wohnungen gebracht. Doch dann standen sie vor einer Zeltstadt.

Fast fünf Stunden, bis halb 3 Uhr in der Nacht, hätten Schlütermann und der Leiter der Zeltstadt mit den Menschen im Bus verhandelt. Die Polizei war mit vier Streifenwagen vor Ort, konnte sich aber im Hintergrund halten, wie Polizeisprecher Martin Pollmann von der Polizei im Kreis Coesfeld bestätigt.

Nach langer Verhandlung seien die Flüchtlinge „völlig erschöpft und desorientiert“ ausgestiegen, erzählt Schlütermann. Das nächste Problem: So spontan habe sich kein Arzt gefunden, der die Menschen vor der Aufnahme untersuchte. Es sei dann gelungen, die Menschen trotzdem aufzunehmen und sie getrennt von den anderen Bewohnern der Zeltstadt unterzubringen. Denn die anderen Flüchtlinge sind aus der Einrichtung in Unna-Massen nach Vinnum gekommen. In Unna-Massen hatte es aber Fälle von Windpocken gegeben.

Auch andere Aufnahmestellen betroffen

Das Chaos in der Nacht habe sich außerdem im Münsterland wiederholt. Ein Bus sei nach Nottuln gefahren, ein weiterer mit einer kurzen Vorwarnung in Coesfeld eingetroffen, sagt Schlütermann. Der DRK-Vorstand hat sich über die Probleme in der Nacht und die unangekündigten Busse am Mittwoch bei der Bezirksregierung Münster beschwert.

So ein Vorgehen bringe die haupt- und ehrenamtlichen Helfer zusätzlich an ihre Grenzen. „Die kippen uns aus den Latschen“, sagte Schlütermann am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion. Mit der Aussicht auf plötzliche Nachteinsätze sei es künftig schwer, ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer zu finden.

Arnsberg will die Wogen glätten

„Es sollte nicht vorkommen, kommt aber leider vor. Und dafür können wir uns nur entschuldigen.“ Ralf Ciekanowski, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, war im Gespräch mit unserer Redaktion sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten. Und gleichzeitig um Verständnis für einen menschlichen Fehler zu bitten. Zugleich kündigte er einen Anruf beim DRK-Kreisverband Coesfeld an.

Ciekanowski berichtete von Problemen in der Koordinierungsstelle. „Die Kollegen hatten keine richtigen Kontaktdaten. Sie haben die Busse einfach auf die Reise geschickt.“ Zu erklären sei das nur damit, dass derzeit 500 Fahrten am Tag zu organisieren seien. Der Pressesprecher räumte zugleich ein, dass es neben den Olfener Fällen zwei weitere Fälle mit fehlender Absprache gegeben habe. Damit derartige Überraschungen ausbleiben, will die Bezirksregierung die Koordinierungsstelle nun personell aufstocken.

Von Jessica Bader und Thomas Aschwer

Pressebericht aus den Ruhr Nachrichten vom 01.10.2015

2. Oktober 2015 13:54 Uhr. Alter: 2 Jahre