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Adrenalin spritzen und Zugänge legen.

Neue Notfall-Sanitäter dürfen erheblich mehr als Rettungsassistenten / Rotes Kreuz startet mit der Ausbildung.

Als erste Notfall-Sanitäter-Auszubildende im Kreis Coesfeld hießen Christoph Schlütermann (l.) und Michael Hofmann (M.) vom DRK Philipp Fromme (2. v. l.), Daniel Riegel (2. v. r.) und Patrick Wöstmann (r.) willkommen. Foto: Detlef Scherle

Kreis Coesfeld

Rotkreuz-Vorstand Christoph Schlütermann sprach von einem „Quantensprung im Rettungswesen“. Der Kreisverband Coesfeld steigt als einer der ersten in Nordrhein-Westfalen in die Ausbildung der neuen Notfall-Sanitäter ein, die langfristig die bisherigen Rettungsassistenten ablösen sollen. „Der Beruf ist völlig neu definiert worden“, berichtete er gestern bei der Vorstellung der Pioniere Daniel Riegel, Philipp Fromme und Patrick Wöstmann. Im Gegensatz zu den Rettungsassistenten, die in der Regel nach einem Jahr ihre Prüfung machten und dann noch ein Praktikanten-Jahr im Einsatz absolvieren mussten, dauert die Notfall-Sanitäter-Ausbildung nun drei Jahre, die sie in Blöcken in den Lehrrettungswachen in Coesfeld, Nottuln oder Lüdinghausen, in Kliniken und in der DRK-Rettungsdienstschule in Münster verbringen.

Der Gesetzgeber hat das Berufsbild dem aktuellen Stand medizinischer und rettungsdienstlicher Erkenntnisse angepasst. Ganz entscheidender Punkt: Damit bis zum Eintreffen des Notarztes keine wertvolle Zeit verstreicht, dürfen die Notfall-Sanitäter – nach einem genau festgelegten Prozedere – auch invasive Eingriffe machen und Medikamente geben, was den Rettungsassistenten bisher verwehrt war. So dürfen sie unter bestimmten Voraussetzungen eigenverantwortlich intubieren und venöse Zugänge legen. „Bei einem allergischen Schock zählen Minuten“, erläutert Michael Hofmann, Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Coesfeld – „da dürfen die Notfall-Sanitäter dann auch Adrenalin geben.“ Aber auch bei Blutdruckabfall und Unterzuckerung dürften sie, solange noch kein Arzt da ist und der Patient zustimmt, Medikamente verabreichen oder spritzen.

Schlütermann ist „unglaublich froh“, dass die Ausbildung nun starten kann. Längere Zeit mussten die jungen Leute, die sich dafür beworben hatten, hingehalten werden, weil die Finanzierung noch nicht in trockenen Tüchern war. „Wir danken dem Kreis Coesfeld als Träger des Rettungsdienstes, dass das nun gelungen ist.“ Langwierige Verhandlungen mit den Krankenkassen seien dafür notwendig gewesen. Denn an der Ausbildung hängt ein langer finanzieller Rattenschwanz: Durch die Ausbildung der neuen Notfall-Sanitäter verteuert sich der Rettungsdienst insgesamt, dessen Kosten die Krankenkassen tragen. Die Notfall-Sanitäter-Auszubildenden laufen anders als die Rettungsassistenten nicht einfach so mit, sondern werden von Ausbildern betreut. Sie fahren in den praktischen Einheiten als „dritter Mann“ im Rettungswagen mit. Das war bei den Rettungsassistenten anders, die bereits im zweiten Jahr als Ergänzungskräfte („zweiter Mann“) mit an Bord waren.

Hofmann findet es gut, dass das Berufsbild aufgewertet wird, denn es zeichneten sich zunehmend Schwierigkeiten ab, Nachwuchs zu finden. „Es wird immer schwerer, genügend Personal zu bekommen“, sagte er. Der Beruf werde nun auch attraktiver, weil er anders als der Rettungsassistent nicht in einer „Sackgasse“ ende, sondern vielfältige Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten biete.

Die derzeitigen Rettungsassistenten können übrigens mit einer Zusatzprüfung auch Notfall-Sanitäter werden. Der erste Kurs dazu soll im Kreis Coesfeld im kommenden Jahr starten.

Die Zeit drängt. Bis 2026 muss laut Gesetz in jedem Rettungswagen mindestens ein Notfall-Sanitäter mitfahren. Um diesen Stand schnell zu erreichen, sollen die Ausbildungszahlen in den nächsten Jahren erhöht werden. Hofmann: „Künftig sollen bei uns pro Jahr sechs Notfall-Sanitäter-Auszubildende anfangen.“

Von Detlef Scherle

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 01.10.2015

2. Oktober 2015 13:38 Uhr. Alter: 3 Jahre