Sie sind hier: Aktuelles » 

Spendenkonto:
SparkasseWestmünsterland
IBAN: DE06401545300000002857
BIC: WELADE 3W XXX

Kaum Kita-Plätze für Flüchtlinge

Derzeit hätten 146 Kinder einen Anspruch / Rotes Kreuz: „Spielgruppen können nur Übergangslösung sein“.

Kreis Coesfeld

 

Im Kreis Coesfeld besuchen derzeit 44 Kinder aus Flüchtlingsfamilien den Kindergarten. Einen Rechtsanspruch auf einen Platz hätten aber aktuell insgesamt 146 Kinder. Das berichtete Fachbereichsleiter Detlef Schütt von der Kreisverwaltung auf Nachfrage des Grünen-Politikers Wolfgang Dropmann (Senden) am Montag im Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistages. In etlichen Unterkünften seien Spielgruppen eingerichtet worden – auch vor dem Hintergrund, dass viele der Eltern und Kinder traumatisiert seien, Trennungsängste hätten. Für sie wäre es zurzeit noch nicht so einfach machbar, ihre Kinder in die Obhut fremder Menschen zu geben.

„Die Spielgruppen können aber nur eine Übergangslösung sein“, betonte Christoph Schlütermann vom DRK-Kreisverband, der die hiesigen Notunterkünfte im Auftrag des Landes betreibt. „Wenn die Integration gelingen soll, müssen gleich zu Beginn Kindergartenplätze zur Verfügung gestellt werden“, sagte er. Die richtigen Signale müssten dafür jetzt gestellt werden – „sonst ist ein Jahr verloren“.

„Da muss man auch Geld in die Hand nehmen“, unterstützte Margarethe Schäpers (Havixbeck) für die SPD die Forderung von Schlütermann. Über die Fraktionsgrenzen hinweg waren sich alle Politiker einig, dass das Land die Voraussetzungen schaffen müsse, den Rechtsanspruch auch umsetzen zu können. Schlütermann: „Im Kinderbildungsgesetz sind Flüchtlinge noch nicht berücksichtigt. Da muss nachgesteuert werden.“

Im Kreis Coesfeld gibt es – sogar unabhängig von den Flüchtlingen – noch Ausbaubedarf. Das liegt vor allem an der hohen Betreuungsquote von 69,2 Prozent bei den Zweijährigen. Ausschussvorsitzender Ludger Wobbe (Ascheberg) von der CDU wies darauf hin, dass dies hinter Münster (71,2 Prozent) die zweithöchste im Land sei. Wurden die Kinder früher erst im Alter von drei Jahren in den Kindergarten geschickt, geht ein Großteil heute schon mit zwei Jahren. Das sei auch der hohen Frauen-Erwerbsquote im Kreis Coesfeld geschuldet, so Wobbe.

Zahlen für das neue Kindergartenjahr 2016/17 gibt es noch nicht. Derzeit läuft das Anmeldeverfahren. Es zeichnet sich aber bereits ab, dass in Lüdinghausen zwei neue Einrichtungen an den Start gehen werden: Das DRK plant eine Vier-Gruppen-Einrichtung am Höckenkamp, die Arbeiterwohlfahrt ein Haus mit drei Gruppen in Seppenrade. Pia Bange (Linke/Familie) regte an, um ohne größere Bautätigkeit Plätze schaffen zu können, zu prüfen, ob Waldkindergarten-Konzepte umgesetzt werden können. Derzeit gibt es kreisweit nur in Holtwick eine Waldkindergarten-Gruppe.

Dass keine reinen Flüchtlingsgruppen in den Kindertagesstätten entstehen, sondern die ausländischen Kinder gleichmäßig verteilt werden, um sie gut integrieren zu können, forderte Jens Wortmann (Coesfeld), Vertreter des Kreissportbundes. Alle Träger sollten Flüchtlingskinder aufnehmen.

Von Detlef Scherle

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 24.11.2015

25. November 2015 16:53 Uhr. Alter: 2 Jahre