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„Brücken bauen“ für Migranten.

Sechs Fachdienste starten gemeinsame Plakat-Offensive / Hilfsangebote kreisweit bekannter machen.

Die Mitarbeiter der verschiedenen Fachdienste, die sich um Migranten kümmern, hängten ihr erstes Info-Plakat mit Flyer-Haltern bei der Ausländerbehörde in Coesfeld auf: v. l. Julia Geringer (Caritas), Tatjana Soliman (DRK), Ulrike Sanchez (DRK), Sabine Schröder (SkF), Eduard Imhof (Awo), Florian Enkrott (DRK), Sonja Dittrich (Awo), Josef Voß (Kreis Coesfeld), Christian Kania (Mamba-Projekt), Detlef Schütt (Kreis Coesfeld). Foto: Christoph Hüsing

Kreis Coesfeld

Wenn Migranten eine Aufenthaltsberechtigung in der Tasche haben, ist noch längst nicht alles geritzt für das Leben in der neuen Heimat. Die deutsche Sprache zu erlernen, eine Arbeitsstelle zu finden, in der Schule zurechtzukommen sind nur einige der Probleme, bei denen ihnen sechs verschiedene Fachdienste helfen können, die im Kreis Coesfeld für die Integration und Begleitung von Migranten zuständig sind. Doch deren Angebote gibt es längst nicht in jeder Stadt oder Gemeinde. „Und die Träger haben unterschiedliche Schwerpunkte“, berichtet Sonja Dittrich vom Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt. Sich im Dschungel der Hilfsangebote zurechtzufinden, ist für die ohnehin teils durch die Andersartigkeit der Kultur irritierten Menschen also nicht einfach. Im Fachteam Integration, in dem sich die Vertreter der verschiedenen Organisationen regelmäßig zum Austausch über ihre Arbeit treffen, entstand daher die Idee, gemeinsam eine Aktion zu starten, um die Hilfen bei den Betroffenen bekannter zu machen. Dafür wurde jetzt ein Willkommens-Plakat entwickelt, von dem Flyer der unterschiedlichen Organisationen entnommen werden können. Das erste hängt bei der Ausländerbehörde in Coesfeld, mit der ja viele Neubürger automatisch Kontakt haben. Weitere, so Dittrich, sollen in den Bürgerbüros der Städte und Gemeinden und an anderen viel frequentierten Stellen im Kreis Coesfeld folgen.

„Hallo!“ „Salam!“ „Merhaba!“ In insgesamt zwölf verschiedenen Sprachen werden die Migranten auf dem Plakat angesprochen und an die einzelnen Dienste verwiesen. Die Sprache, weiß Dittrich, ist am Anfang eines der Haupthindernisse und daher ein ganz wichtiger Schlüssel für die Integration. So vermitteln mehrere der Dienste Sprachkurse. Sie verstehen sich allgemein als „Brückenbauer“. „Wir weisen niemanden ab, auch wenn er bei uns vielleicht nicht richtig ist“, so Dittrich, „sondern leiten ihn zur richtigen Stelle weiter“. Das könne die Erziehungsberatung sein oder auch die Schwangerschaftskonfliktberatung, nennt sie Beispiele.

Über 1000 Ratsuchende aus dem Kreis Coesfeld betreuen die sechs Anlaufstellen pro Jahr. Finanziert wird ihre Arbeit je nach Schwerpunkt aus unterschiedlichen Töpfen, meist mit Bundesmitteln.

Wie groß ist die Erfolgsquote der Integrationsarbeit? „Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten“, sagt Dittrich. „Wir sind immer froh, wenn ein Klient berichtet, dass er eine Arbeit gefunden hat und gut zurecht kommt.“ Integration sei aber auch immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als sehr positiv empfindet sie, dass es im Kreis Coesfeld eine „Willkommensstimmung in der Bevölkerung“ gibt.

Von Detlef Scherle

Pressebericht aus der Dülmener Zeitung vom 19.05.2015

22. Mai 2015 11:54 Uhr. Alter: 3 Jahre