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„Wann dürfen wir zur Schule“?

Regierungsvizepräsidentin Feller informierte sich im Josefshaus über die Unterbringung junger Flüchtlinge.

Seppenrade

 

Das Thema Schule stand gestern ganz weit vorne auf der Agenda, als Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller dem Josefshaus in Seppenrade einen Besuch abstattete, um sich über die Unterbringung von jugendlichen Flüchtlingen zu informieren.

Zakarya, der 17-jährige Flüchtling, zeigte sich wohlerzogen. Als Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller gestern das Josefshaus in Seppenrade besuchte, in dem aktuell 67 jugendliche Flüchtlinge untergebracht sind, bedankte sich der junge Afghane freundlich und höflich. Er und die übrigen Jugendlichen fühlten sich wohl. Alles sei in bester Ordnung. Eine Bitte äußerte Zakarya trotzdem: „Wann dürfen wir zur Schule?“ Diese Frage konnten weder die Regierungsvizepräsidentin aus Münster noch die übrigen Besucher beantworten. Die Vertreter der Behörden und Verbände mussten den jugendlichen Flüchtling mit einem unbefriedigenden „bald“ „abspeisen“.

Aber das Thema Schule lässt die Verantwortlichen, die sich um die Flüchtlinge kümmern, nicht los. Wissen doch alle, dass Schule und Sprache der Schlüssel zur Integration bilden. Aber die Jugendlichen, die im Josefshaus eine erste Unterkunft in Deutschland gefunden haben, fallen etwas durchs soziale Raster. Für sie greift erst dann die Schulpflicht, wenn sie einer Kommune zugewiesen sind. Das kann allerdings noch dauern, wie auch Johanna Dülker, Leiterin des Jugendamtes beim Kreis Coesfeld, gestern einräumte. Das Jugendamt beim Kreis sucht nämlich händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Pflegefamilien. „Wir wollen die Jugendlichen aber so schnell wie möglich in die Schulen bringen“, versicherte die Fachfrau des Kreises. Unterstützung dabei bekam sie von Christoph Schlütermann – nicht als DRK-Präsident sondern als Vorstand des Trägervereins des Gymnasiums Canisianum. Das Cani bemühe sich intensiv darum, eine Förderklasse für jugendliche Flüchtlinge einzurichten, berichtete er gestern.

Dorothee Feller zeigte sich gestern beeindruckt von der Unterbringung der Jugendlichen im Josefshaus. Es handelt sich um die erste Einrichtung für Jugendliche im gesamten Regierungsbezirk Münster. „Das ist ein Glücksfall“, war sie sich auch mit Christoph Schlütermann einig. Auch Hausherrin Schwester Irmgard war froh, dass alles gut läuft und das Neben- und Miteinander sehr gut läuft. „. . . auch wenn es manchmal etwas lauter ist als sonst“, räumte sie gestern schmunzelnd ein.

Kurz vor dem Jahreswechsel zog die Regierungsvizepräsidentin für das Jahr 2015, das durch den Flüchtlingsstrom eine ungeahnte Belastung auf Kommunen, Kreise, Bezirks- und Landesregierung auslöste, trotzdem eine positive Bilanz. Es sei sicherlich nicht alles optimal gelaufen und man habe viele Erfahrungen sammeln müssen. „Aber uns ist es gelungen, alle Menschen unterzubringen. Unser vordringlichstes Ziel war es, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Das haben wir geschafft“, erklärte die Regierungsvizepräsidentin und verwies auf 10 000 Plätze in Unterkünften, die in diesem Jahr aus dem Boden gestampft wurden. Das Thema Flüchtlinge werde sich im kommenden Jahr weiter stellen. Wie sich die Maßnahmen der Regierung oder der EU auswirkten, wisse man nicht. Dorothee Feller geht allerdings davon aus, dass der Zustrom etwas geringer wird.

Ungeachtet dieser Prognose geht für die Jugendämter im Kreis Coesfeld die Suche nach zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten weiter. Aber Johanna Dülker und die Verantwortlichen der Jugendämter in Dülmen und Coesfeld machen sich auch Gedanken über die Betreuung der Jugendlichen im Josefshaus. „Die Tagesbetreuung muss geregelt werden. Wir müssen die Jugendlichen beschäftigen“, unterstreicht Dülker. Sie freute sich, dass Fortuna schon ein Sportangebot macht und im Josefshaus Deutschunterricht angeboten wird. Gestern kam sie nicht mit leeren Händen: Der Kreis stellte einen Kleinbus zur Verfügung, der in der Einrichtung sicherlich gut gebraucht werden kann.

Von Werner Storksberger

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 28.12.2015

29. Dezember 2015 13:50 Uhr. Alter: 2 Jahre