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Per App den Schmerz erkunden

Rettungsdienst.

Ascheberg

 

„Wo tut‘s weh?“ Schon die erste Frage der Rettungssanitäter wird zum Problem, wenn Hilfesuchender und DRK-Helfer keine gemeinsame Sprache sprechen.

„Wir haben noch alte Din-A-4-Zettel aus Zeiten der Fußballweltmeisterschaft“, berichtet Rettungsdienstleiter Michael Hofmann. Sie wurden mit dem Kommen vieler Flüchtlinge reaktiviert. Der Kreisverband hat auch „Tip-doc“-Broschüren geordert. Den Vorzug gibt Michael Hofmann aber einer dritten Variante: Einem Übersetzer auf Smartphones: „Das ist für die Interaktion einfacher.“

Der reaktivierte WM-Zettel startet mit Länderflaggen, auf denen die Hilfesuchenden ihr Land zeigen. „Zu den Ländern gibt es dann standardisierte Blätter, auf denen Kranke und Verletzte unseren Leuten zeigen können, wo es schmerzt“, berichtet Hofmann. Ähnlich funktionieren die „Tip-Doc“-Broschüren. 40 Stück sind gerade frisch geordert worden. Auch dort tippen Menschen, die Hilfe benötigen, bei Bildern auf Körperstellen die schmerzen. Die Art der Kommunikation ist besser als an der Sprachbarriere hängen zu bleiben. Allerdings hat Michael Hofmann festgestellt, dass Übersetzer-Apps auf Smartphones tiefergehende Gespräche ermöglichen.

Da der DRK-Kreisverband in der Flüchtlingsfrage vielfältig engagiert ist, hat der Leiter des Rettungsdienstes im Alltag immer wieder mit Flüchtlingen zu tun: „Dort nutze ich eine App, das funktioniert sehr gut.“ Das Smartphone kann als doppelter Übersetzer dienen. Mit der Sprechfunktion geht es besonders schnell, denn es muss nichts getippt werden. „Es gibt Menschen, die schauen vielleicht etwas skeptisch, aber wenn sie etwas in ihrer Sprache hören, geht ein Lächeln übers Gesicht“, hat Hofmann gesehen. Und was im Alltag den Dialog zwischen Helfern und Flüchtlingen ermöglicht, wird aus Sicht von Hofmann verstärkt auch bei Notfällen eingesetzt: „Das ist die Zukunft. Die Hälfte unserer Rettungsfahrzeuge sind mit einem Smartphone ausgerüstet.“ Was ursprünglich einmal als Kommunikationsmöglichkeit mitfuhr, wird nun auch als Übersetzer genutzt. Der Leiter der Rettungsdienstes sieht bei dieser „guten Möglichkeit, die Sprachbarriere zu überwinden“, besonders Zeitvorteile, denn die kleinen Geräte übersetzen schnell. Und Menschen, die verzweifelt Hilfe suchen, reagieren auf Sprache schneller als auf dem mühsameren Weg, die passenden Bildchen anzutippen. Deren Darstellungsspektrum ist begrenzt, über die App und den übersetzen Dialog, können die Rettungssanitäter mehr in Erfahrung bringen. Etwa über Vorerkrankungen. „Wenn der Hilfesuchende zuckerkrank ist, ist das für unsere Leute und den Notarzt eine ganz wichtige Information“, nennt Hofmann ein Beispiel.

Von Theo Heitbaum

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 21.12.2015

23. Dezember 2015 10:01 Uhr. Alter: 3 Jahre