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Riesiger Verschiebebahnhof

Notunterkunft in Seppenrade steht fast leer.

Lüdinghausen

 

Kuriose Situation: Während die Stadt Lüdinghausen kaum noch weiß, wo sie die Flüchtlinge unterbringen soll, steht die Landeseinrichtung in Seppenrade fast leer. Dort leben aktuell nur elf Flüchtlinge. Zwischen den Feiertagen soll die Einrichtung als „Puffer“ dienen, vermutet das DRK.

Verkehrte Welt: 150 Personen können in der Notunterkunft in Seppenrade untergebracht werden, doch die ehemalige Bundeswehr-Einrichtung steht fast leer. Gestern wurden darin elf Personen betreut. Der Stadt Lüdinghausen steht dagegen das Wasser bis zum Hals: Angesichts mangelnder Unterbringungsmöglichkeiten wird aktuell am Bau einer Container-Unterkunft für 100 Personen gearbeitet.

„Für diese Situation haben wir kein Verständnis“, machte Bürgermeister Richard Borgmann seinem Unmut über die Unterbringung Luft. Er sitzt mit seinen Sorgen nicht alleine im Boot: Vor einer Woche formulierten die Bürgermeister des Kreises ein entsprechendes Schreiben an das Land, in dem eine Entlastung der Kommunen gefordert wurde.

<>Nicht nur die Notunterkunft in Seppenrade steht fast leer. Auch die anderen Erstaufnahmeeinrichtungen im Kreis, die vom DRK-Kreisverband betreut und geführt werden, sind mehr oder weniger belegt: „Wir haben 1600 Plätze. Davon sind nur 250 genutzt“, rechnet DRK-Vorstand Christoph Schlütermann die aktuelle Situation vor. Für den Betreiber der Quartiere ist die Situation in der Tat etwas kurios: In Seppenrade sind zehn Mitarbeiter beschäftigt, die sich um elf Flüchtlinge kümmern. „Aber die haben auch noch einiges aufzuarbeiten“, so Schlütermann.

Dass die Einrichtung aktuell relativ leer ist, hat nach Auffassung von Schlütermann mehrere Ursachen: Die Registrierungsstelle am FMO arbeitet mittlerweile recht schnell, wodurch die Flüchtlinge zügiger an die Kommunen weitergeleitet werden. Darüber hinaus sinken die Zahlen der eintreffenden Flüchtlinge. Und: Die Erstaufnahmeeinrichtungen werden leergezogen, um „Luft“ für die Feiertage zu haben. „Wir dienen als Puffer“, charakterisiert Schlütermann die Einrichtungen. Dass die allerdings lange leer stehen, glaubt er nicht, denn zwischen den Feiertagen sollen die Kommunen keine Zuweisungen erhalten. Die Flüchtlinge treffen trotzdem irgendwo ein. Die Menschen werden dann in den Notunterkünften untergebracht. „Wir stellen uns schon darauf ein“, so Schlütermann.

Dass dieser riesige „Verschiebebahnhof“ auch einen finanziellen Hintergrund hat, will Schlütermann nicht abstreiten. Wenn die Flüchtlinge in den Kommunen sind, sind die Städte und Gemeinden dafür verantwortlich – finanziell und organisatorisch. „Daher habe ich natürlich Verständnis dafür, dass die Kommunen Alarm machen. Letztlich sind es immer die Städte und Gemeinden, an denen die Probleme hängen bleiben“, so Schlütermann, der diese Praxis als langjähriger Kommunalpolitiker kennt.

Von Werner Storksberger

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 16.12.2015

18. Dezember 2015 19:14 Uhr. Alter: 2 Jahre