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„Leuchtturm Nottuln“

Nottuln

 

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke hat am Donnerstag (10. Dezember) die Gemeinde Nottuln besucht. Er verschaffte sich einen Eindruck von der Erstaufnahme-Notunterkunft in der früheren Hauptschule – und war beeindruckt.

Im Augenblick herrscht Entspannung: Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge ist gesunken, die Registrierungsverfahren sind beschleunigt worden. Die Erstaufnahmeunterkunft in der ehemaligen Hauptschule ist relativ leer. Das hat allerdings auch einen weiteren guten Grund. „Über die Feiertage und die Tage dazwischen sollen die Kommunen nicht belastet werden. Dann dienen die Notunterkünfte als Puffer“, erläuterte Prof. Dr. Reinhard Klenke. Der Regierungspräsident war am Donnerstag zu Gast in Nottuln und sah sich die Einrichtung vor Ort an.

45 Notunterkünfte gibt es im Regierungsbezirk Münster. „Ungefähr 30 habe ich mir schon angeschaut“, erzählte Klenke. Überall sei die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung riesig. Dafür danke er den vielen ehrenamtlichen und den hauptamtlichen Kräften sehr.

Von Bürgermeisterin Manuela Mahnke und Ehrenamtskoordinatorin Carola König ließ er sich über die Situation in Nottuln informieren. Die Bürgermeisterin konnte Klenke nur beipflichten: „Die Helfer leisten hier hervorragende Arbeit.“ Jetzt, wo man etwas Luft bekommen habe, habe man begonnen, Strukturen zu schaffen, um die Hilfe auch für die Zukunft zu sichern.

Das sei genau der richtige Weg, lobte der Regierungspräsident. Der erste Schritt sei gewesen, den Menschen ein Dach über dem Kopf anzubieten. Der zweite müsse jetzt sein, den Flüchtlingen, die länger hier bleiben, eine Perspektive zu schaffen. „Und es werden viele hierbleiben, weil wir sie nicht in die Kriegsgebiete zurückschicken können.“ Das Ziel müsse sein, diese Personen schnellstmöglich zu integrieren. Das geschehe zum Beispiel in Schulen. „Es gibt ja zusätzliche Stellen, und es sieht so aus, als wenn wir die auch alle besetzt bekommen.“ Man müsse die Situation zum Guten für alle Beteiligten entwickeln. So könnten die Flüchtlinge als Arbeitskräfte eine Perspektive finden und damit der Wirtschaft geholfen werden, den Problemen des demografischen Wandels zu begegnen. „Dafür müssen wir die Menschen aber natürlich qualifizieren.“ Dabei sei das Erlernen der Sprache ein wesentlicher Schritt.

Dass hier in Nottuln vorbildlich gearbeitet wird, das bestätigte Christoph Schlütermann. Der Vorstand des DRK-Kreisverbandes begrüßte Klenke in der Notunterkunft. „Wir haben hier die ehrenamtliche Initiative ‚Deutschstunde‘, die professionell mit den Flüchtlingen arbeitet. Außerdem gibt es eine Singgruppe, eine Strickgruppe, eine Kinderbetreuung – kurz: Nottuln ist ein Leuchtturm.“ Und dass nebenan der Treffpunkt Jugendzentrum liege und mit den Kindern arbeite, sei „wie ein Sechser im Lotto“, freute sich Sebastian Schlößer, Leiter der Notunterkunft.

Verstärkt werden soll auch die überörtliche Zusammenarbeit. Dafür hat der Kreis ein Kommunales Integrationszentrum geschaffen. Dessen Leiter, Bodo Dreier, war ebenfalls in Nottuln zu Gast und besprach erste Möglichkeiten der gemeinsamen Arbeit mit Manuela Mahnke und Carola König.

Von Frank Vogel

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 10.12.2015

12. Dezember 2015 20:14 Uhr. Alter: 3 Jahre