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Auf die Körpertemperatur kommt es an

AZ begleitet die 19-jährige Alina Lorenz bei ihrer ersten Blutspende

Billerbeck

 

Alina Lorenz ist ein wenig nervös. Wird sie diesmal Blut spenden dürfen? Beim letzten Mal musste die Billerbeckerin wieder nach Hause gehen, weil ihre Körpertemperatur leicht erhöht war. Eigentlich hat die junge Frau Angst vor Spritzen und Nadeln. Aber: „Für mich ist es das Größte, anderen Menschen zu helfen und man muss ja nicht hingucken.“ Alina besitzt auch einen Organspende-Ausweis – ganz normal in ihrem Freundeskreis. Als seelische Unterstützung begleitet sie Patentante Sabine Hertz – die bei der jüngsten Blutspende erstmals auf der Liege Platz nehmen durfte.

Alina betritt im Obergeschoss der Don-Bosco-Gesamtschule einen Klassenraum, in dem sie einer von insgesamt vier Ärzten erwartet. Erst geht er mit ihr einen Fragebogen durch: Wann war sie das letzte Mal im Ausland? War Alina in den vergangenen Wochen krank? Wurde sie operiert? – Alles in Ordnung. Dann misst der Arzt ihren Puls. Er ist leicht erhöht.

Bevor weitere Helfer des Deutschen Roten Kreuzes der angehenden Erzieherin einen Tropfen Blut entnehmen und ihre Körpertemperatur messen, muss Alina wieder in das Erdgeschoss: ein Glas Cola trinken – denn die junge Frau hat zuletzt vor einigen Stunden etwas getrunken und gegessen. Vor der Blutspende ist es enorm wichtig, genug zu sich zu nehmen.

Dann geht es zurück ins Obergeschoss. Erst gibt es nur einen kleinen Stich in den Finger – ein einziger kleiner Tropfen Blut bildet sich auf der Oberfläche ihres Zeigefingers. Der Helfer des DRK nimmt ihn mit einem kleinen Stückchen Glas auf – der Blutfarbstoff wird kontrolliert. Jetzt muss nur noch die Körpertemperatur gemessen werden – das ist zwar nicht schmerzhaft, macht Alina aber dennoch nervös, zumal sie beim letzten Mal leicht erhöhte Temperatur hatte und nicht spenden durfte. Der Helfer hält das Messgerät in ihr Ohr – dann piept es kurz. Er schaut auf die Anzeige: „Haben Sie kurz vorher heiß geduscht?“, fragt er Alina. Sie guckt erst etwas verdutzt und verneint dann. Das Thermometer zeigt 37,2 Grad Celsius an. „Das ist so gerade an der Grenze“, sagt der Helfer. Aber Alina darf spenden. Die Erleichterung steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Sie nimmt nur wenige Meter entfernt Platz auf einer Liege neben ihrer Patentante. Wenn sie wieder aufsteht, wird sie 500 Milliliter weniger Blut besitzen. Nachdem Punkteurin Jutta Stegemann Alinas Arm desinfiziert hat, steht der Stich mit der Nadel bevor. Alina wendet ihren Kopf zu ihrer Patentante. Sie will nicht sehen, wie das Metall unter ihre Haut gelangt. Kurz darauf entspannt sie. „Das tat gar nicht weh“, stellt die junge Frau zu ihrer Erleichterung fest. Erst entnimmt Jutta Stegemann vier Blutproben – sie werden ins Labor geschickt, wo der rote Lebenssaft auf Auffälligkeiten untersucht wird.

Dann erst beginnt die eigentliche Blutspende. Alina fühlt sich gut. Sie ist komplett entspannt. Immer mal wieder wirft eine Punkteurin einen Blick auf eine Maschine, die anzeigt, wie viel Blut der jungen Frau entnommen wurde. Nach wenigen Minuten sind schon ein paar hundert Milliliter Blut in einen Plastikbeutel geflossen. „Super!“, lobt die Punkteurin. „Als hättest du nie etwas anderes gemacht“, sagt sie zu Alina. Nach nicht einmal fünf Minuten piept das Gerät. Die Spende ist beendet.

Doch bevor die 19-Jährige den Heimweg antreten kann, muss sie erst liegen bleiben. Wegen möglicher Kreislaufprobleme. Immerhin fehlt ihr ein halber Liter Blut. Nach einem Becher Wasser bringt sie ein Helfer in einen Ruheraum – weil Alina Erstspenderin ist, muss sie sich länger ausruhen als andere – 15 anstatt zehn Minuten. Aber die Zeit will nicht vergehen. Immer wieder guckt sie auf die Uhr. „Ich würde gerne aufstehen, aber ich weiß, dass es besser ist, wenn ich liegen bleibe“, sagt die verantwortungsbewusste Frau. Zum Abschluss erwartet ihre Patentante und sie eine Cafeteria mit Getränken und Speisen im Eingangsbereich.

Die Erstspende wird für Alina nicht die letzte geblieben sein: Im Januar, wenn der nächste Termin angesetzt ist, wird sie auch wieder ihren Lebenssaft für ihre Mitmenschen bereitstellen.

Von Lisa Oenning

Pressebericht aus der Allgemeinen Zeitung vom 07.10.2014

9. Oktober 2014 17:22 Uhr. Alter: 4 Jahre