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Zehn Jahre nach dem Tsunami:

Dankbarkeit ist die Motivation

Lüdinghausen

 

Vor zehn Jahren war Karl-Heinz Kuhlmann als DRK-Katastrophenhelfer auf Sumatra im Einsatz. Vier Wochen lang übernahm er die Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser. Mehrfach war der Lüdinghauser in Katastrophengebieten der Welt für das DRK aktiv.

Genau vor zehn Jahren überschlugen sich die Schlagzeilen. Am zweiten Weihnachtstag 2004 brachte die Tsunami-Welle Tod und Verderben über weite Teile Südostasiens. Die Bilder der Katastrophe erreichten schnell jedes Wohnzimmer. Da viele westliche Urlauber Opfer der Katastrophe wurden, war die Betroffenheit umso größer. Dass auch im Hause Kuhlmann an der Oer­straße zehn Jahre nach den dramatischen Ereignissen wieder Erinnerungen wach werden, hat einen besonderen Grund: Karl-Heinz Kuhlmann war nach der Katastrophe vor Ort, um als DRK-Helfer die Trinkwasserversorgung sicherzustellen.

„Man denkt immer wieder an die Einsätze zurück“, erzählt Kuhlmann im WN-Gespräch. Dass sich die Tsunami-Katastrophe jedoch genau vor zehn Jahren ereignete, wurde ihm erst am Heiligen Abend bewusst, als er die Zeitung aufschlug. Aber dann kamen viele Erinnerungen wieder hoch. Das Ausmaß der Zerstörung, so erinnert sich Kuhlmann noch an die ersten Eindrücke von seinem Einsatzgebiet auf Sumatra, war enorm. Es gab Regionen, in denen war kein Stein mehr auf dem anderen. Ganze Küstenregionen waren von der Flut weggespült worden. „Der Hubschrauber war unser Haupttransportmittel“, kann sich Kuhlmann noch gut an die logistischen Herausforderungen erinnern.

Am 17. Januar 2004 bekam Kuhlmann den Anruf – fünf Tage später trat er bereits die Reise nach Sumatra an. Wie schon in vorhergehenden Einsätzen bestand Kuhlmanns Aufgabe darin, Trinkwasser herzustellen. Als gelernter Installateur und Schwimmmeister im Lüdinghauser Hallenbad lag ihm dieses Thema nicht fern. Das Deutsche Rote Kreuz, in dem er sich seit vielen Jahren engagiert, bildete ihn speziell für die Einsätze in Krisengebieten aus. Auch für seinen Sumatra-Einsatz konnte er sich auf die gute Ausbildung und Vorbereitung durch das Internationale Rote Kreuz verlassen.

Nicht zum ersten Mal war der Lüdinghauser in einem Katastrophengebiet im Einsatz. Zwei Mal Ruanda, Tansania, Kenia und Armenien sowie Indien waren Einsatzgebiete, in denen er für die Trinkwasseraufbereitung zuständig war. Gerade die Einsätze in Ruanda, wo riesige Flüchtlingslager mit Wasser versorgt werden mussten, stecken noch in seinem Hinterkopf. „Tausende von Toten lagen entlang der Straßen. Dieses Bild werde ich wohl nie vergessen“, erinnert sich Kuhlmann an das Grauen dieser Einsätze. Da ist es gut, dass die Einsatzkräfte heute nach der Rückkehr psychologisch betreut werden. „Zu meiner aktiven Zeit gab es das noch nicht“, bedauert der DRK-Helfer.

Noch präsenter als das Grauen der Katastrophen ist ihm jedoch die Dankbarkeit der Menschen. „Die ist letztlich auch die Motivation für mich, solche Hilfseinsätze zu übernehmen.“ Dass auch eine Portion Abenteuerlust mitschwingt, verheimlicht er nicht. Unterdessen verbrachte Ehefrau Doris so manche sorgenvolle Stunde daheim. Als das DRK-Team in Afrika einmal angesichts drohender Unruhen fluchtartig das Flüchtlingslager verlassen musste, und Ehemann Karl-Heinz sich mehrere Tage lang nicht meldete, war sie der Verzweiflung nahe.

Aber es gab auch schöne Erlebnisse, die bei den Einsätzen überwogen. Gerne erzählt Karl-Heinz Kuhlmann beispielsweise von der Kameradschaft, die unter den internationalen Rot-Kreuz-Helfern herrschte. Man half sich gegenseitig und man lernte voneinander. Ob er noch einmal starten würde, wenn er zum Einsatz gerufen würde? „Ich bin jetzt 68, da sollten auch mal die Jüngeren ran. Aber Spaß hätte ich schon . . .“, schmunzelt Kuhlmann mit Blick auf Ehefrau Doris, deren Gesichtsausdruck weniger Begeisterung ausstrahlt.

Von Werner Storksberger

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 30.12.2014

31. Dezember 2014 17:56 Uhr. Alter: 3 Jahre