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Erste Hilfe

Kinder sollen Erste Hilfe leisten

Foto: DRK

Senden

Als der Vierjährige auf der Rettungswache anrief, war guter Rat teuer. „Mein Papa liegt tot auf der Erde“, teilte er dem Diensthabenden mit. Auf die Frage, wie er mit Nachnamen heiße – Fehlanzeige. Auch wo er denn wohne, konnte der Knirps nicht sagen. „Und das war der Tag, an dem klar war: Wir müssen etwas ändern“, erinnert sich Hans-Joachim Mussenbrock vom DRK-Landesverband Westfalen-Lippe an diese Situation.

 

Das Resultat: Das erste Handbuch in Sachen Erste Hilfe für Kinder, das der DRK-Landesverband Westfalen-Lippe auf den neuesten Stand gebracht hat und jetzt in zweiter Auflage herausgibt. „Bundesweit ist das einzigartig“, glaubt der Experte.

Das Ziel: Schon Dreijährige sollen sich in Notsituationen helfen können. Sollen wissen, wie Mama und Papa mit Nachnamen heißen. Wo sie wohnen. Und wie man den Notruf absetzt. „110 und 112 – wir haben das hier in der Einrichtung auf Smartphones trainiert“, lacht Petra Franetzki, Leiterin des DRK-Familienzentrums Lan­ge­land in Senden. Dort wurde das neue Handbuch am Mittwoch vorgestellt. Gedacht für Drei- bis Siebenjährige, besteht es aus zwei Teilen. Im zweiten basteln Kinder Fridolin, den Knochenmann, und erfahren so jede Menge über die menschliche Anatomie und den Blutkreislauf.

„Der erste Teil dagegen ist voller Ideen, Elemente und Vorlesegeschichten, die zeigen, wie Kinder im Alltag Gefahren trotzen“, sagt Hans-Joachim Mussenbrock und lässt sich auf die Knie hinab: In die Perspektive nämlich, in der die Jüngsten die Welt erkunden. „Und die ist voller scharfer Kanten und Steckdosen.“ Zielgruppe sind Ehrenamtliche, Erzieher in Kitas, Lehrer an Grundschulen, aber auch Eltern. Sie alle sollen mit ihren Schützlingen Notsituationen simulieren und trainieren. Hilfreich dabei: die Handpuppe Paul, die spielerisch an die Materie heranführt.

Ein Mann liegt scheinbar tot in der Fußgängerzone. Was tun? Ein Nachbarskind hat einen Fahrradunfall. Was jetzt? In praktischen Übungen lehrt das Handbuch auf 100 Seiten, den Notruf zu wählen, ein Warndreieck aufzubauen, Pflaster zu kleben, Verbrühungen zu versorgen. Ein Gift-Quiz sensibilisiert für gefährliche Putzmittel oder gar Schlangengift. „Ziel ist es, die jungen Ersthelfer neugierig zu machen und ihr Selbstvertrauen zu stärken“, betont Mussenbrock.

Und das hat beim Fotoshooting für das neue Buch im Familienzentrum Lan­geland schon gut geklappt. „Die Kinder haben mit Theaterschminke Verstauchungen simuliert und ihre Verbände mit Filmblut stolz durch die Gegend getragen“, erzählt Petra Franetzki. Auch Heiner Dallmann vom DRK-Ortsverein Senden glaubt diesen Ansatz bei den Jüngsten gut aufgehoben. „Wie weit ist denn die Erste Hilfe in der Bevölkerung verbreitet?“, fragt er rhetorisch. Zu wenig, soll das sagen.

Laut Statistik kommen nur 18 Prozent der Deutschen, die einen Herzstillstand erleiden, in den Genuss eines Ersthelfers, der sie bis zum Eintreffen des Notarztes reanimiert. Wer indes als Kind Erste Hilfe lerne, „wird eine lebenslange Beziehung dazu haben.“

Von Julia Gottschick

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 04.12.2014

7. Dezember 2014 17:29 Uhr. Alter: 3 Jahre