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DRK-Helfer im Einsatz

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 19.07.2013

Rosendahl
 

Lebensretter in der Nachbarschaft.

Günter Gauff hatte einen Grund zu feiern. Er war gerade Opa geworden, seine Enkeltochter hatte das Licht der Welt erblickt. Der heute 68-Jährige rief gegen Abend einen Bekannten an und traf sich mit ihm auf ein Bier. Gegen 20.30 Uhr war Günter Gauff wieder zu Hause. Glücklich war er, es ging ihm aber nicht gut. „Ich habe mich draußen auf die Treppe gesetzt und meinen Nachbarn angerufen“, erinnert er sich. Als der den 68-Jährigen sah, zögerte er nicht lang und rief den Notarzt. „Ich habe das völlig unterschätzt“, sagt Gauff im Rückblick.

Zusammen mit dem Notarzt werden in Rosendahl-Osterwick und in Darfeld seit 1999 auch die „Helfer vor Ort“ des DRK informiert. Sie sollen die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken. Rund sechs bis sieben Minuten vorher sind sie an der Einsatzstelle. Auch bei Günter Gauff waren sie schnell vor Ort. „Mein systolischer Wert beim Blutdruck lag bei 270“, erinnert er sich. Wie sich später herausstellte hatte Gauff einen Hinterwandinfarkt. Rotkreuzleiter Hubert Hoping war damals direkt vor Ort und leitete die Erste-Hilfe-Maßnahmen ein, die dem Osterwicker das Leben retteten.

Seitdem bleibt Gauff stehen, wenn er den Helfer auf der Straße sieht. „Man ist schon ein Stück verbunden“, sagt Gauff. „Die meisten Menschen, zu denen wir kommen, sind einem bekannt“, sagt Hoping. Osterwick hat 4000 Einwohner. Bekannten und Freunden in lebensbedrohlichen Lagen zu helfen, ist aber nicht immer einfach. Die emotionale Belastung für die Helfer ist größer als in einer anonymen Großstadt. Die Seite der Helfer wird auch beim DRK ernst genommen. „Es gibt mittlerweile eine extra eingerichtete Gruppe, die sich mit der Einsatzstellennachsorge beschäftigt“, erklärt Lars Boss vom Landesverband des DRK.

Auch Hoping und seine zehn Mitstreiter, die ehrenamtlich zu den Einsätzen ausrücken, reden anschließend über ihre Einsätze. Die Osterwicker und Darfelder sind im vergangenen Jahr 53 Mal ausgerückt, fünf Kindernotfälle gehörten dazu. „Drei Mal mussten wir seit Beginn im Jahr 1999 Menschen reanimieren“, erzählt Hoping. Jede Minute, die das Gehirn der Betroffenen ohne Sauerstoff ist, kann bleibende Schäden hinterlassen. Hoping ist seit 1979 auch hauptamtlich im Rettungsdienst tätig. Den ehrenamtlichen Dienst macht er trotzdem. „Von Oster­wickern für Osterwicker“, bringt er es bescheiden auf den Punkt und nennt dann doch noch ein paar Punkte, warum er gerade beim DRK seine Freizeit verbringt: „Kameradschaft, dass man anderen Leuten helfen kann und die Herausforderung, sich jedes Mal neu auf eine Situation einzulassen.“

Das ist auch für seinen Stellvertreter Stefan Richters Antrieb: „Hinzu kommt die Technik, die sich immer weiterentwickelt“, sagt Richters. Konkurrenzgedanken zu den hauptamtlichen Kräften gibt es nicht: „Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Unser Verbrauchsmaterial wird von den Kollegen nach einem Einsatz aufgefüllt. Der Kreis Coesfeld steht voll hinter uns.“

Von Uwe Renners

22. Juli 2013 00:45 Uhr. Alter: 5 Jahre