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WN beantwortet Leserfragen

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 03.08.2013

Ascheberg / Münster
 

Ein Dauerpiepen begleitet das Blut.

Was passiert mit meinem Blut, wenn ich gespendet habe? Die Antwort auf diese Leserfrage fanden die Westfälischen Nachrichten am frühen Morgen beim Blutspendedienst in Münster.

Es ist das typische Ein-Ton-Konzert einer Supermarktkasse. An der Sperlichstraße 15 in Münster steht es für die totale Transparenz. Von Menschen, Maschinen und Blutbeutel werden bei jedem Arbeitsgang Strichcodes gescannt, alles wird präzise dokumentiert. Hier ist die Schaltzentrale des DRK-Blutspendedienstes, hier kommt der Lebenssaft nach den Terminen in Ascheberg, Davensberg und Herbern an.

Bevor es eine Antwort auf die Leserfrage „Was passiert mit meinem Blut?“ gibt, müssen die Besucher einen weißen Overall anziehen, die Schuhe werden unter einen blauen Überzieher versteckt, die Hände gewaschen und desinfiziert. „Wenn die Spendenteams abends hereinkommen, werden die Blutbeutel vorsortiert, etwa nach der Blutgruppe“, berichtet unterdessen Pressereferentin Claudia Müller.

Das Vollblut, das den Spendern abgezapft wird, muss getrennt werden. Mit einem Beutelsystem ist schon bei der Entnahme vorgesorgt worden. Im ersten Schritt werden Spenden für die Zentrifuge vorbereitet. Zwei Beutel werden jeweils in ein Doppelgefäß gegeben. Beide müssen ein identisches Gewicht haben. Gummibänder gleichen Unterschiede aus. „Das Einstecken funktioniert nach dem gleichen System, damit das Beutelsystem keinen Schaden nimmt“, berichtet Elke Spitzer. Ein Dutzend solcher Doppelpacks werden in eine der 16 Zentrifugen gestellt. Dort werden sie 20 Minuten mit 3470 Umdrehungen quasi im Kreis herumgedreht. So setzt sich das leichte Blutplasma nach oben, die schwereren roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nach unten ab. Dazwischen ist eine kleine Schicht „Buffy Coat“ aus dem Thrombozytenkonzentrate gewonnen werden. An diesem Morgen sind 1056 Spenden zu verarbeiten.

Immer wieder das bekannt Piepen, auch wenn die Beutel von der Zentrifuge zum Compomaten kommen. Hier werden die Blutbeutel einzeln eingehängt. Durch eine Presse gerät der Beutel unter Druck, so dass sich die drei getrennten Bestandteile auf einzelne Beutel verteilen. 26 Compomaten schaffen 220 Konserven in der Stunde. Benötigt ein Beutel hier mehr als sieben Minuten, ist er verdächtig, kommt er in Quarantäne oder wird gesperrt – im laufenden Prozess sind mehrere solcher computergesteuerten oder menschlichen Kontrollen vorgesehen. Etwa beim Filtern der roten Blutkörperchen, dem nächsten Arbeitsschritt. „Das Blut braucht 50 bis 60 Minuten. Wenn es 60 bis 120 Minuten nötig hat, geht es in Quarantäne, läuft es noch langsamer, wird es gesperrt“, berichtet Elke Spitzer.

Am Ende des Filterprozesses wird der Beutel zuerst abgeschweißt, anschließend segmentiert. Soll heißen: Durch Schweißnähte werden mehrere Schlauchabschnitte abgetrennt, so dass sie später einzeln für Proben abgeschnitten werden können. Jetzt ist der Beutel mit den roten Blutkörperchen fertig für die Ausgabe an eins der angeschlossenen 220 Krankenhäuser oder 80 Ärzte. Ausgegeben werden sie aber erst nach der Freigabe. Die erfolgt aus Hagen. Dort ist das Zentrallabor, dass die kleinen Proben, die vor der Blutspende entnommen werden, untersucht.

Dort, wo das Blut verarbeitet wird, herrscht eine Temperatur von 20 Grad. Sollte es Probleme mit der Klimaanlage geben, werden zuerst Kantine und Büros aus dem Kreislauf genommen – dort darf geschwitzt werden, dem Blut darf es nicht zu heiß werden.

Zurück zum Compomaten: Von hier aus gehen rote Blutkörperchen und Plasma getrennte Wege. Das Plasma wird einer Sichtkontrolle unterzogen, die Beutel etikettiert und auf Bleche verteilt. Sie werden in einem Kühlschrank in 50 Minuten bei minus 60 Grad eingefroren. Anschließend wird es bei minus 30 Grad eingelagert. Bei einem Erstspender etwa wird es erst dann ausgegeben, wenn er ein zweites Mal gespendet hat. Geschätzt lagern so 35 000 Plasma-Beutel an der Sperlichstraße. Vom Vertrieb aus werden Präparate, die bis acht Uhr bestellt sein müssen, auf fünf Touren in Westfalen verteilt. Geöffnet ist hier übrigens für Abholer rund um die Uhr, Nachtdienst inklusive.

Von Theo Heitbaum

4. August 2013 13:24 Uhr. Alter: 5 Jahre