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Sprachbarriere zehrte an den Kräften

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 31.10.2012

Unna-Massen
 

Sendener Helfer bei Flüchtlingsbetreung in Unna-Massen im Einsatz.

Es gibt viele Gründe, sein Heimatland verlassen zu müssen: Krieg, Armut, Dürre, Verfolgung. Viele Menschen sind froh, wenn sie ein neues Zuhause finden und die Chance für einen Neubeginn erhalten. In Unna-Massen haben etwa 400 Flüchtlinge aus fast 30 Ländern einen Zufluchtsort gefunden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat dort eine Unterkunft für Asylbewerber eingerichtet.

Betrieben wird sie von den Einsatzeinheiten der einzelnen Kreise. Auch der Ortsverein Senden wurde aufgefordert, Helfer zu schicken – und die Helfer kamen: Oliver Scharmann, Darius Afsari und Melanie Göcke haben trotz Studiums, Schule und Ausbildung die Zeit gefunden, um in Unna-Massen mit anzupacken.

Eine Menge unterschiedlicher Muttersprachen

Die Sendener Helfer bekamen durch unterschiedliche Aufgaben ganz verschiedene Einsichten in den Alltag der Menschen, die nach Deutschland geflohen sind. Als „Türsteher“ ordnete Darius Afsari den Ansturm der Menschen, die zu den Mahlzeiten zur Essensausgabe strömten. Das größte Problem aller Helfer stellte er bereits an dieser Stelle fest: Bei 30 unterschiedlichen Heimatländern kamen eine Menge unterschiedlicher Muttersprachen zusammen. Wie überredet man jemanden ohne eine gemeinsame Sprache, zu einer ordentlichen Händedesinfektion?

Und wie erklärt man die Wartezeiten, wenn die Helfer in der Küche gerade neue Mahlzeiten aus dem Lager holen?

Unmengen an Altkleiderspenden

Doch die Verständigungsprobleme gab es nicht nur dort: Oliver Scharmann, Darius Afsari und Melanie Göcke verbrachten die Zeit an verschiedenen „Baustellen“. Im Kleidungslager galt es zunächst die Unmengen an Altkleiderspenden zu bändigen: Pullover, Jacken, Jeans, Mützen für Kinder, Männer, Frauen. Für die jeweils zweistündige Ausgabe pro Tag mussten die Kleider sortiert und in die provisorischen Regale eingeräumt werden. „Dabei haben die Frauen einen gewissen Vorteil“, stellten nicht nur die Sendener Helfer, sondern auch die Helfer der anderen Ortsvereine im Kreis Coesfeld amüsiert fest.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Ausgabe standen die Menschen vor der Kleiderkammer Schlange. Mit Englisch und Französisch sowie mit Händen und Füßen verständigten sich die drei Sendener mit den Flüchtlingen. Dolmetscher standen den Helfern rund um die Uhr zur Seite und unterstützten die DRKler so oft es ging.

Medizinische Versorgung

In der Sanitätsstation unterstützten Oliver Scharmann und Melanie Göcke ihre Kollegen bei der medizinischen Versorgung. Für die täglich stattfindenden Sprechstunden beim Arzt mussten die beiden Rettungssanitäter Termine vergeben, Besuche bei ortsansässigen Fachärzten wurden geplant, Medikamente wurden ausgegeben – und das größtenteils auf Englisch. „Medizinisch haben die meisten Leute hier eine ganz andere Basis“, beschrieb Oliver Scharmann die Situation, als wieder eine ganze Familie gemeinsam mit dem Taxi zum Zahnarzt gebracht wurde. „Erstaunlich anstrengend“, fand das nicht nur Melanie Göcke am Ende des Einsatzes. „Obwohl wir körperlich gar nicht so viel getan haben.“ Die Sprachbarriere, da sind sich die drei Sendener einig, hat die Zeit für alle Helfer doch sehr kräftezehrend gemacht.

Fußball führt verschiedene Nationalitäten zusammen

Neben der Arbeit stand aber auch der Spaß im Vordergrund: Fußball funktioniert über die Grenzen der Länder hinweg. Und so gesellten sich die Helfer zu den spielenden Kindern. Ein kleiner Junge langweilte sich und wurde von den Helfern im Sanitätsbereich mit Malen und Ballspielen ein wenig vom Alltag abgelenkt. Und immer wieder brauchten die ehrenamtlichen Helfer gar keine Sprache, um sich zu verständigen: Die Freude eines kleinen Mädchens, wenn es beim Warten auf Kleidung ein Stofftier erhält, verstanden die Helfer auch ohne Worte.

Von Melanie Göcke

1. November 2012 14:47 Uhr. Alter: 5 Jahre