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Wenn aus Spaß tödlicher Ernst wird

Pressebericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 09. 02. 2012

Lüdinghausen
 

Wenn aus Spaß tödlicher Ernst wird.

Wer aufs Eis geht, begibt sich auch in Gefahr. Ein Restrisiko bleibt immer, warnen die Experten.

Eiseskälte und Sonnenschein – eine Mischung, die viele Menschen nach draußen lockt, ob zum zünftigen Winterspaziergang oder zum Schlittschuhlaufen auf den zugefrorenen Wasserflächen. Doch die winterliche Idylle birgt Gefahren. Gefahren, die für den Laien häufig nicht zu erkennen sind. „Besonders gefährlich sind alle Fließgewässer“, mahnt Martin Diekmann, Zugführer bei den Rettungstauchern der DLRG Dülmen. Sein Trupp unterstützt die Feuerwehr in Lüdinghausen, wenn die Meldung kommt „Person in Eis eingebrochen“.

Dann muss alles ganz schnell gehen. „Zehn, fünfzehn Minuten kann sich ein Mensch im kalten Wasser an der Oberfläche halten, dann lassen in der Regel die Kräfte nach“, so seine Erfahrung. Besonders gefährlich werde es, wenn der Verunglückte unter die Eisfläche getrieben werde. Dann sind auch der Feuerwehr, die fast immer als erstes am Unglücksort eintrifft, die Hände gebunden. „Wir haben Leitern und Sicherungsleinen, um aufs Eis zu kommen, aber ins Wasser können wir nicht“, erklärt Zugführer Günter Weide. Darum ist er froh, dass im Ernstfall die Unterstützung aus Dülmen kommt. „Die Taucher haben Schutzanzüge, mit denen sie im eiskalten Wasser nach vermissten Personen suchen können.“

Zum Glück hat es in Lüdinghausen schon lange keinen solchen Einsatz mehr gegeben, aber „auch wir haben schon Tote aus dem Wasser gezogen“, erinnert sich Weide. Doch wie erkennt man, wo das Betreten der Eisfläche ungefährlich ist und wo nicht? „Eine absolute Sicherheit gibt es nie“, weiß Rettungstaucher Diekmann. „Das Eis muss mindestens um die 13 Zentimeter dick sein, damit es trägt. Das kann aber an Stellen, wo Wasservögel leben oder Strömungen vorherrschen, plötzlich dünner sein.“

Wenn Rettungstaucher und Feuerwehr im Unglücksfall ihren Job gemacht haben, ist Michael Hofmann und sein Team vom DRK-Rettungsdienst an der Reihe. „Patienten mit starker Unterkühlung benötigen eine spezielle Erstversorgung. Wenn da Fehler gemacht werden, kann sonst der ‚Bergungstod‘ eintreten.“ So sei es wichtig, dass die Verunglückten so wenig wie möglich bewegt würden und die Erwärmung des Körpers nur sehr langsam erfolge. „Dafür wird bei Unterkühlten länger reanimiert als bei anderen Patienten. Durch die Unterkühlung ist der Körper auf Notbetrieb runtergeschaltet, als eine Art Schutz.“ Dadurch stiegen die Chancen auf eine erfolgreiche Wiederbelebung, „ häufig sogar ohne bleibende Schäden.“ Doch darauf verlassen solle sich niemand, mahnt der Fachmann nachdrücklich und rät auch gleich allen Partygästen in der Karnevalszeit, die Kälte nicht zu unterschätzen. „Wer nachts auf dem Heimweg angetrunken stürzt und nicht umgehend gefunden wird, hat bei diesen Temperaturen kaum eine Chance.“

4. August 2012 16:54 Uhr. Alter: 5 Jahre